Die „Masdascher Flüchtlingshilfe“ informiert (9) – November 2016

Startseite/Flüchtlingshilfe/Die „Masdascher Flüchtlingshilfe“ informiert (9) – November 2016

Die „Masdascher Flüchtlingshilfe“ informiert (9) – November 2016

Das herausragende Ereignis der zurückliegenden Monate war im August das Fest zum 2. Jahrestag der „Masdascher Flüchtlingshilfe“. Der Festraum war gut gefüllt und es war für Speis und Trank gesorgt. Schön war, dass auch viele Ehemalige mit dabei waren. Uns beeindruckte deren noch immer vorhandene starke Verbundenheit mit uns allen. Schön war auch, dass einige der Flüchtlinge eigene Gesangseinlagen zu Gehör brachten. Sogar die Ayan, wagte es, ein somalisches Lied vorzutragen.

Fluechtlingshilfe Mastershausen

 In der Rhein-Hunsrück-Zeitung kam dann ja später auch noch ein Bericht über unseren Jahrestag. Wir freuten uns, dass er überschrieben war mit der Titelzeile:
„Masdascher waren der Zeit voraus“. Als wir nämlich im August 2014 die Flüchtlingshilfe gründeten, konnten sich manche noch gar nicht vorstellen, dass der Syrienkrieg etwas mit uns zu tun haben könnte.

Nun sind also schon zwei Jahre in’s Land gegangen, seit die ersten Flüchtlinge nach Mastershausen gekommen sind. Eine ganze Reihe von Flüchtlingen der ersten Stunde hat inzwischen das Haus schon wieder verlassen, sie leben heute in eigenen Wohnungen, die meisten in Kastellaun. Für sie war die Zeit in Mastershausen eine ganz wichtige Phase des Anpassungsprozesses, an dessen Ende vielleicht die geglückte Integration stehen wird. Aber nicht nur für die Flüchtlinge sondern auch für uns, die Betreuer, waren die beiden letzten Jahre Lehrjahre. Wir haben in dieser Zeit viele gute Erfahrungen gemacht. Aber es gab und gibt auch Schwierigkeiten.
Leider sind einige der Probleme, die wir heute bei der Betreuung der Bewohner der „Alten Mädchenschule“ haben, noch dieselben wie vor zwei Jahren. Eine der Schwierigkeiten besteht nach wie vor darin, dass die Kosten für die Busse, mit denen die Asylsuchenden zu den Sprachkursen nach Kastellaun fahren, viel zu hoch sind.
Bei Bezügen von 326,00 Euro pro Monat sind 86,10 Euro für eine Monatskarte nicht drin. Wir haben schon vor Jahr und Tag vorgeschlagen, dass der Kreis ein Sozialticket für Asylsuchende und Flüchtlinge sponsert. In den SGB-II-Bezügen ist ein Anteil von 25,15 Euro für Fahrtkosten enthalten. Wenn der einbehalten würde und in ein Sozialticket umgewandelt würde, wäre nicht nur Asylbewerbern und Flüchtlingen, sondern auch manchem Hartz-IV-Bezieher geholfen, für den genau das Gleiche gilt. Die anerkannten Flüchtlinge bekommen zwar für den Integrationskurs die Fahrkarten bezahlt. Aber alle anderen Fahrten wie die zum Arzt, zur Ausländerbehörde, zum Jobcenter, zum Cafeterra, zu Veranstaltungen müssen sie selbst zahlen.

Flüchtlingshilfe Mastershausen

Eine andere Schwierigkeit ist auch nicht neu: Für unsere Flüchtlinge fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. So finden anerkannte Flüchtlinge, die die Notunterkünfte verlassen müssen, oft keine Wohnung. Es gibt sie einfach nicht. Die Verbandsgemeinde mietet zwar für Asylsuchende Wohnungen und Häuser an, aber nicht für anerkannte Flüchtlinge. Außerdem vermieten viele Hausbesitzer nicht gerne an Flüchtlinge. Schon vor Jahr und Tag haben wir daher vorgeschlagen, dass die Verbandsgemeinde oder der Kreis als Hauptmieter agieren, also Wohnungen anmieten und an Flüchtlinge untervermieten. Gerade größere Wohnungen könnten dann auch für Wohngemeinschaften von Flüchtlingen genutzt werden. Diese Wohnungen müssten nicht unbedingt in Kastellaun oder Simmern liegen. Es könnte sie genauso gut auch in den umliegenden Dörfern geben. Die Reaktivierung von leer stehenden Häusern in den Dörfern wäre zugleich ein Beitrag zu Revitalisierung, aber auch eine gute Möglichkeit für eine gelingende Integration der Flüchtlinge.
Voraussetzung wäre aber, dass die Frage der Übernahme der Kosten für den ÖPNV geklärt wäre. Denn die Flüchtlinge müssten ja in die Stadt zu ihren Kursen fahren können. Neu ist ein anderes Problem: Seit es das sogenannte „Integrationsgesetz“ gibt, wird den Asylsuchenden fast durchgehend nur noch der sog. „subsidiäre Schutz“ gewährt. Das bedeutet, dass ihr Asylantrag abgelehnt wird, dass sie aber ein Bleiberecht von einem Jahr bekommen. Was danach mit ihnen geschieht, ist offen. Sie könnten dann auch abgeschoben werden. Einer unserer eritreischen Männer hat gerade einen solchen Bescheid vom Bundesamt in Trier bekommen. Wir haben überlegt, was wir machen sollen. Und wir haben, einer Empfehlung von PROASYL folgend, Klage beim Verwaltungsgericht in Trier erhoben. Nun wird das Gericht zu prüfen haben, ob unserem Mann nicht doch Asyl gewährt werden muss. Es ist nämlich ganz undenkbar, dass er nach Eritrea zurückkehrt. Die Verhältnisse in Eritrea, dem „Nordkorea Afrikas“, sind so furchtbar, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass er bei seiner Rückkehr erschossen würde. Das Bundesamt hat in seinem Bescheid allerdings festgestellt, dass ihm bei seiner Rückkehr nach Eritrea keinerlei Nachteile entstehen würden – Zynismus pur.

Flüchtlingshilfe Mastershausen

 Mit dem genannten Problem hängt die Frage zusammen, wer das finanzielle Risiko bei solchen Klagen gegen die Entscheidung des BAMF tragen soll. Wenn keine Prozesskostenhilfe bewilligt wird, hat der Kläger über 1000 Euro für Anwalts- und Gerichtskosten selbst zu bezahlen. Das kann ein Asylsuchender aber normalerweis nicht. Und der Staat rechnet offenbar damit, dass die Betroffenen nicht in der Lage sind, eine Klage einzureichen und zu finanzieren. So müssen wir im Fall des Falles versuchen, die anfallenden Kosten in Höhe von ca. 1.000 Euro durch freiwillige Spenden abzudecken. Denn die Kasse der „Masdascher  Flüchtlingshilfe“ ist damit bei Weitem überfordert. Wir haben daher den Wunsch an die beiden Kirchen gerichtet, einen Fonds zu gründen, aus dem im Fall des Falles Prozesskostenhilfen bestritten werden können. Es bleibt abzuwarten, ob der Ev. Kirchenkreis oder das Bistum sich zur Bildung eines solchen Fonds durchringen werden. Denkbar wäre ja auch ein ökumenischer Hilfsfond.

Flüchtlingshilfe Mastershausen

So gibt es viele Probleme, die es zu lösen gilt. Aber die Politik tut schon so, als könnten wir wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Dabei müssten landauf landab Sozialarbeiter eingestellt werden, dabei könnte für Flüchtlinge genauso wie für Hartz-IVBezieher ein Sozialticket eingeführt werden, dabei könnten die Gemeinden, Verbandsgemeinden oder Kreise Unterkünfte für die anerkannten Flüchtlinge anmieten, dabei müsste es mehr Sprachkurse für Asylbewerber geben, die noch nicht anerkannt sind, dabei müsste es eine Gesundheitskarte für Asylbewerber geben, schon um die Ehrenamtlichen zu entlasten. Zwar hat sich im Zusammenspiel von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen schon Vieles gebessert. Aber es liegt auch noch viel im Argen. Die Politik steht zur Zeit auf der Bremse, auch im Kreis. In den Arbeitskreisen auf verschiedenen Ebenen werden Vorschläge der Ehrenamtlichen gesammelt. Danach hört man oft nichts mehr davon. Das alles ist frustrierend. Wir haben das Gefühl, dass die Politik von Bund, Land und Gemeinden dem Druck von AfD & Co nicht standhält, sondern meint, mit immer restriktiveren Maßnahmen die politischen Probleme lösen zu können. Wir dagegen denken, dass nur in einer entschlossenen konzertierten Aktion aller gesellschaftlichen Kräfte die Probleme der Integration der Flüchtlinge zu lösen sind. Aber weder der Kreis noch die Verbandsgemeinde haben den Mut zu innovativem Handeln.

V.i.S.d.P. Michael Haberkamp

2017-06-13T08:28:04+01:00 November 23rd, 2016|