Herkunft des Ortsnamens Mastershausen - Gemeinde Mastershausen

Herkunft des Ortsnamens Mastershausen (Toni Christ M.A.)

Deutungsversuche für den Ortsnamen Mastershausen hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Die Schwierigkeit der Herkunftsdeutung liegt eindeutig darin, den ersten Teil des Namens, nämlich Masters- zu erklären. Alle Erklärungsansätze, die überwiegend von unserem heutigen Sprachverständnis ausgehen, mussten folglich fehlschlagen (Masthaus, Wohnort eines „starken Mannes namens Malloste usw.).

An dieser Stelle hilft nur die Analyse eines anerkannten Namensforschers weiter. Prof. Dr. Haubrichs, Lehrstuhlinhaber für Gemanistik an der Universität Saarbrücken,

hat für die Herkunft unseres Ortsnamens eine wissenschaftlich exakte und plausible Erklärung gefunden.

Urkunde

 

Prof. Dr. Haubrichs schreibt:

 

Sehr geehrter Herr Christ,

 

ich denke, dass das Problem der Herkunft und Etymologie des Namens ihres Ortes lösbar ist. Und zwar auf folgende Weise: Die älteste Bezeugung des Namens ist unzweifelhaft in der Urkunde der Königin Richeza von Polen aus dem Ezzonenhause von 1056 für Brauweiler (Mittelrhein Urk.buch I Nr. 343) zu sehen, in der sie ihre bedeutenden Güter um Klotten bei Cochem verschenkt, darunter eben auch eine zweifellos unfreie Person namens „Welferus de Malestreshusen“ („-um“ ist Akkusativ). Weitere Ortsnamenformen finden wir bei W.

 

Jungandreas (Historisches Lexikon der Siedlungs- und Flurnamen des Mosellandes, 1962, S. 653):

 

a. 1056 „Malestreshusen“

 

um 1220 „Malsterhusen“

 

um 1250 „Mastershusen“ (Liber Annalium, Erzbischof Trier)

 

um 1307/54 „ecclesia de Mastershusen“ etc.

 

a. 1569 „Mastershusen“

 

a. 1592 „Masterßhausen“

 

Die sprachliche Entwicklung führt mit Schwund des Nebensilbenvokals > „Malster(s)-“, dann mit Assimilation der Lautgruppe [ls] > [s] zu „Masters-“. Die weitere Entwicklung im Dialekt zu „Mastersch, Masdasch“ entspricht der anderer -husen/-hausen-Orte im Moselfränkischen.

Die älteste Form „Malestres-husen“ ist sehr wertvoll. Sie enthält einen Personennamen „Malester“ im Genetiv (starkes Genetiv-Suffix -es: „Malestres“). Der zweite Bestandteil enthält den Dativ Plural „husen“, 11. Jh. „husen“ von althochdeutsch „hus“ (‚Haus’). Der Ortsname bedeutet also „bei den Häusern des Malester“, oder freier übersetzt „Siedlung

des Malester“. Ein Problem stellt der anscheinend singuläre Personenname „Malester“

dar. Germanisch, fränkisch oder deutsch ist er nicht. Doch ergibt sich nach einiger Nachforschung eine glatte Lösung aus romanischen (und zwar galloromanischen) Sprachen. Es ist zu vergleichen: 1) altfranzösisch 12. Jh. „malastru, malestru“ (‚unglücklich’), neufranzösisch „malotru“ (‚übel zugerichtet’)

2) provenzalisch „nalastruc“ (vgl. prov. „malastre“, d.h. ‚Unglück’)

3) alt(nord)italienisch „malastruo“

 

Das Wort geht nach den einschlägigen Wörterbüchern auf galloromanisch „*malastrutus“

zurück, das mit „astra“ (‚Sterne’) zusammenhängt und mit lat. „malus“

(‚schlecht, übel’) zusammengesetzt ist (vgl. z.B. franz. „désastre“ = ‚Unglück’). Das

substantivierte Adjektiv hieß also im Romanischen ungefähr „der Unglückliche“ und ist

- wofür es viele Parallelen gibt - als beinamenartiger Personenname verwandt worden.

Das wirklich Interessante am Personennamen des Ortsgründers von Mastershausen ist

nun aber, dass er einen r o m a n i s c h e n Namen trägt. Man muss sich dazu daran

erinnern, dass im Bereich der Mosel von Remich über Trier bis Koblenz bis etwa um

1000 eine auf die Winzerkultur und weitere agrarische Reliktkulturen gegründete romanische

Sprachinsel existierte, die wir Philologen ‚Moselromania’ nennen. Zu ihr gehörte

auch „Kastellaun“ < „Castellône, -ûne“ (‚Befestigung’) im Trechirgau, der ebenfalls auf

eine romanisch vermittelte keltische Bezeichnung zurückgeht.

„Malester“ ist also wohl ebenfalls ein letzter Zeuge moselromanischer Bevölkerung,

deren Namentradition sich noch eine Zeitlang fortpflanzte, auch wenn der Ortsname

grundsätzlich schon eine deutsche, althochdeutsche Benennung ist. Die ‚husen’-Orte

sind im Rhein-Mosel-Gebiet im Wesentlichen wohl im 9./10. Jahrhundert entstanden. In

diese siedlungsgeschichtliche Bewegung möchte ich auch die Entstehung von „Malestreshusen“ einordnen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Gemeinde ein schönes 950-Jahre-Geburtstagsfest.

 

Mit besten Grüßen,

Ihr

Wolfgang Haubrichs

Saarbrücken im Mai 2006

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