und keinen anderen - Gemeinde Mastershausen

„…und keinen anderen, denn allein Gott im Hohen Himmel“
Das Mastershausener Gericht auf Baldeneck (Dr. M. Scholz)

Der Sommer 1325 muss den Mastershausenern noch lange als besonders ereignisreiche Zeit im Gedächtnis geblieben sein. Im Bachtal am Weg nach Buch taten sich große Dinge: der Herr von Trier war mit großem Gefolge von Rittern und Ratgebern geritten gekommen, um den lang gestreckten Bergsporn am Zusammenfluss der beiden Wasserläufe in Augenschein zu nehmen. Zu Mariä Himmelfahrt hörte man, dass die Ritter von Buch einen Vertrag mit dem Herrn geschlossen hätten, der hier eine Burg errichten wollte. Das bedeutete zuerst: Frondienste. Aber auch: Arbeit als Tagelöhner, viele Menschen würden kommen, die schlafen und essen mussten, die von der Welt erzählten – und überhaupt würde sich jetzt vieles ändern, von dem die Mastershausener noch keine konkreten Vorstellungen hatten.

Wahrscheinlich dachten sie zuerst am allerwenigsten daran, dass der Bau der Burg eine Auswirkung auf ihr Gericht haben könnte. Dieses Gericht erweist sich bei genauem Hinsehen als ein seltsames Gebilde, das viel über das Machtstreben des Trierer Erzbischofs auf dem Moselhunsrück verrät. Wer hier allerdings blutrünstige Geschichten von Folter, Mordprozess und Galgen erwartet, der muss leider weiter blättern – die Geschäftsabläufe mittelalterliche Gerichtsbarkeit auf dem Land sind nur selten in Akten dokumentiert, die es erlauben würden, die konkreten Gerichtsfälle erzählend nachzuzeichnen.

In einer Beschreibung des Amtes Baldeneck von 1563 heißt es über das Dorf Mastershausen: „Mastershausen hat an Feuerstätten 50, davon gehören 38 zu Baldeneck, drei zu Sponheim, fünf gehören den Rittern Hurt von Schönecken aus der Eifel, eine Heinrich v. Metzenhausen und eine den Erben des Johan Mühlen von Ulmen. Zu Mastershausen hat unser gnädigster Herr ein Gericht, das mit 14 Schöffen besetzt ist, diese Schöffen werden unter den eigenen Baldeneckischen Leuten gewählt und können auch außerhalb des Gerichts genommen werden.“

Die Schöffen konnten nicht nur „außerhalb des Gerichtes genommen werden“, sie wurden es auch. Eine Aufzeichnung über Gewohnheitsrecht, ein sog. Weistum, vom 21. Oktober 1586 gibt Auskunft über die Herkunftsorte der Schöffen des Mastershausener Gerichtes: sie kamen aus den Orten Mastershausen, Buch, Mörsdorf, Zilshausen, Mörz, Lieg und Strimmig.

Das ist für ein Gericht, dessen Bezirk nur aus einem einzigen Ort besteht (im Gegensatz zu einem Hochgerichtsverband) ungewöhnlich. Bemerkenswert ist ferner, dass das Gericht auf Burg Baldeneck zusammentritt und nicht in Mastershausen. Vorsitzender des Gerichts ist ein kurfürstlich-trierischer Schultheiß. Über die Ortswahl für die Weisung auf Balduinseck werden 1586 keine Gründe genannt, offenbar wurde das Gericht immer auf der kurtrierischen Burg gehalten, und zwar drei Mal im Jahr. Einmal wird es auch ausdrücklich als „Mastershausener Gericht auf Baldeneck“ genannt.

Der Erzbischof von Trier war unbestrittener Herr über Mastershausen, auch wenn Eigenleute anderer Grundherren hier lebten. Im altertümlichen Deutsch der alten Rechtssprache sagen die Schöffen: „Item weisen die Schöffen unserem gnädigen Herrn von Trier zu Mastershausen ein Glockengeläut und Hilfgeschrei und erkennen ihn im Dorf an als einen oberen- und Grundherrn, und keinen anderen, denn allein Gott im Hohen Himmel.“

Es ist nicht daran zu zweifeln, dass es sich bei diesem kleinen Gericht um ein Hochgericht handelte und dass die Schöffen über Leben und Tod richteten: bei Mastershausen liegt die „Galgenhöhe“, wo 1921 beim Bau des Sportplatzes Skelette und Reste des Galgenstumpfs gefunden wurden – ein deutlicherer Beleg für die weitreichenden Befugnisse des Gerichtes lässt sich kaum wünschen.

Zur Klärung der Frage, warum Schöffen aus den Nachbarorten gewählt wurden, ist zunächst wichtig, dass Amts- und Gerichtsbezirke im Mittelalter selten übereinstimmen, was vor allem daran liegt, dass die Gerichte in ihrer Entstehung wesentlich älter sind als die Ämter, die erst im 14. Jahrhundert eingerichtet wurden. So gehörten die Dörfer im Amt Baldeneck zu folgenden Gerichten:

a) Gericht Beltheim: Beltheim, Lahr, Lieg, Sabershausen, Zilshausen mit Petershausen (insgesamt umfasste das Beltheimer Gericht 14 Dörfer)

b) Gericht Burgen

c) Kameralhöfe Forst

d) Gericht Frankweiler

e) Gericht Mastershausen

f) Gericht Treis

Generell geht die Gerichtsbarkeit auf dem Moselhunsrück auf die Pfalzgrafen zurück. Aus ihren Händen gelangten die Gerichte im Lauf des Hochmittelalters zu den aufstrebenden Landesherren, deren Interessen heftig kollidierten. So entstand das Gebilde des „Dreiherrischen Territoriums“, das als „Kuriosum“ der Verfassungsgeschichte im Alten Reich gilt und schon viele Fachleute beschäftigt hat. Anteilseigner dieses Territoriums waren der Erzbischof von Trier, die Grafen von Sponheim und die Herren von Winneburg-Beilstein. Mastershausen gehörte nicht dazu, war dem „Dreiherrischen“ aber unmittelbar benachbart.

Aussagekräftig für den Status des Mastershausener Gerichtes dürfte sein, dass die 1586 genannten auswärtigen Schöffen überwiegend aus dem Bereich des Beltheimer Gerichtes stammten.

Da über das Mastershausener Gericht kaum Quellen erhalten sind, ist es sinnvoll, einen Blick auf die Nachbargerichte zu werfen. Insbesondere das Gericht von Frankweiler fällt dabei ins Auge: dort gehört von den 18 Feuerstätten nur eine zu Baldeneck, dafür 9 zu Sponheim. Oberster Herr ist jedoch der Kurfürst von Trier. Das Gericht wird gebildet aus einem Schultheißen und sechs Schöffen, die durch einen „Befehlhaber“ (in der Praxis wohl durch den Amtmann) zu Baldeneck eingesetzt werden sollen, indem er aus drei vom Schöffenkolleg präsentierten Kandidaten einen auswählt. Auch Steuer, Schatzung und Bußen liefern die Frankweiler Einwohner nach Balduinseck. Quellen im Landeshauptarchiv Koblenz berichten über Auseinandersetzungen zwischen Kurtrier und Sponheim bezüglich der Gerichtsbarkeit in Frankweiler.

Offenbar ist es dem Erzbischof von Trier – vielleicht in Zusammenhang mit dem Bau der Burg Balduinseck ab 1325 – gelungen, einzelne Orte aus dem „Hickhack“ des Dreiherrischen Territoriums heraus zu halten. Das war bei kleinen Gerichten sicherlich einfacher als bei Hochgerichtsverbänden wie dem Beltheimer Gericht. Die Gründe dafür, dass Mastershausen ein eigenes Gericht hatte, liegen wohl noch in pfalzgräflicher Zeit, aus der uns allerdings die Überlieferungen fehlen. Es kann – in Anbetracht der Herkunftsorte der Schöffen – an eine Zugehörigkeit zum Beltheimer Gericht zu denken sein, eine Form der Zugehörigkeit allerdings, die dem Trierer Herrn eine Art „Sollbruchstelle“ bot, mit deren Hilfe er Mastershausen, ähnlich Frankweiler, für sich allein gewinnen konnte. Die Streitigkeiten Kurtriers mit Sponheim, dem agilsten und streitbarsten Miteigner des „Dreiherrischen“, über das Frankweiler Gericht stützen eine solche Hypothese zusätzlich.

 
Weissthum

Quellen & Literatur

LHA Ko Best. 655,95 Nr. 1.

Weisthümer, gesammelt von Jacob Grimm, 2. Teil. Göttingen 1840, S. 198 f.

P. Brommer: Die Ämter Kurtriers. Grundherrschaft, Gerichtsbarkeit, Steuerwesen, Einwohner. Edition des Feuerbuches von 1563. Mainz 2003, S. 449f.

W. Fabricius: Erläterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. Bd. 2: Die Karte von 1789, Einteilung und Entwicklung der Territorien von 1600 bis 1794. Bonn 1898, S. 107, 132.

J. Peil: Das Schöffenweistum von 1586. In: Mastershausen. Geschichte einer Gemeinde. Hg. Gemeinde Mastershausen 1984, S. 26-29.

Volltextsuche


Was ist demnächst:
  

 

01. Mai
Maifest an der Pfarrscheune

 

03. Mai
Begegnungscafè ab 14:00 Uhr in der "Alt Schul"

 

06. Mai
Führung im Ruhewald "Am Fürstengrab" um 14:00 Uhr Treffpunkt am Parkplatz

 

10. Mai
Begegnungscafè ab 14:00 Uhr in der "Alt Schul"

 

Abfallkalender

02. Mai Gelb
05. Mai Papier
08. Mai Bio
19. Mai Rest