das sie niemand an diesem Ort - Gemeinde Mastershausen

„…das sie niemand an diesem Ort ergreife…“ Der Armesünderweg, eine Freistätte in der Struht (Toni Christ M.A.)

 

Bis etwa 1790 gab es zwischen den Gemarkungen Mastershausen, Leideneck, Kappel, Peterswald und Panzweiler einen geheimnisvollen Ort; der im Volksmund noch heute Armesünderweg genannt wird. Es war nur ein winziger Streifen von 13m x 8m mitten im Wald und zu keiner Gemarkung gehörig, eine Freistätte mit ganz besonderer Bedeutung.

An dieser Stelle, die im Wald nicht leicht zu finden ist, stand bis zu Jahr 1970 der sogenannte Viergemeindenstein, der über Jahrhunderte als Grenzstein zwischen Kurtrier, Pfalz-Zweibrücken und Badischem Hoheitsgebiet diente.

Dieser merkwürdige Name „Armesünderweg“ ist im deutschsprachigen Raum öfter anzutreffen. Der Armesünderweg war in der Regel das letzte Stück des Weges bis zum Galgen. In unserem Fall ist der Begriff Armesünderweg als die volkstümliche Bezeichnung einer Stelle zu verstehen, die dem Täter eine letzte Chance bot, seiner Bestrafung oder dem Galgen zu entfliehen. An der Stelle des Armesünderweges in der Struht gab es nämlich keine Richtstätte.

Viergemeindestein

Ein Missetäter der es bis hierher schaffte, konnte sich vor seinen Häschern vorerst sicher fühlen. Freistätten durften nur unbewaffnet betreten werden. Hart bestraft wurde, wer den Frieden der Freistätten brach und Verfolgte dort angriff oder behelligte. Wer es dennoch wagte, musste damit rechnen, dass man ihm zur Strafe die Hand abschlug.

Je nach Asylort war der Verfolgte drei Wochen und drei Tage oder sechs Wochen und drei Tage frei, mancherorts aber auch nur bis zum Sonnenuntergang. Danach konnte er ergriffen werden, sofern er sich dann immer noch dort aufhielt.

Es gab Freistätten mit eigener Gerichtsbarkeit, meist größere Bezirke, und den Freistätten, die in Kirchen oder aus einzelnen Häusern bestanden. Letztere boten dem Verfolgten meist nur für eine kurze Zeit Schutz. Reinhold Christ weiß von seinem Vaters, dass es eine solche Freistätte auch in Mastershausen gab; sie war im Haus des Schöffen (heute Wolfs, früher Heckersch Haus). Wer das Haus betreten hatte, war für eine bestimmte (kurze) Zeit vor Strafverfolgung sicher.

Handzeichnung eines Flüchtigen

Diese Freistätten müssen im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Rechtsprechung und dem Strafvollzug gesehen werden. Die Strafen für aus heutiger Sicht eher geringe Vergehen waren in früheren Zeiten streng und wurden meist sofort vollstreckt. Wer als Holzfrevler überführt wurde, dem wurde nicht selten zur Strafe die Hand abgehackt. Bei kleinen Diebstählen war es durchaus üblich, dem Dieb ein Brandzeichen mit glühendem Eisen auf die Schulter zu brennen. Hatte er bereits zwei Brandzeichen, so konnte er beim nächsten Vergehen sofort gehenkt werden. Dabei kam es auch zu voreiligen und ungerechten Urteilen und Bestrafungen, die nicht wieder gut zu machen waren. Freistätten oder Asylstätten gaben dem Verfolgten die Möglichkeit, seine Angelegenheit vor ein ordentliches oder milderes Gericht zu bringen oder sich der Gerichtsbarkeit unter Umständen ganz zu entziehen. Solche Zufluchtsorte für Täter sind schon im Alten Testament erwähnt. In den Levitenstädten Israels konnten Totschläger, die jemanden ohne Vorsatz im Streit getötet hatten, Schutz vor Verfolung finden.

Das Wort Asyl ist ein griechisches Wort und bedeutet „unverletzliche Stelle“. Den Griechen galten heilige Orte mit allem was sich dort befand als unantastbar. Sie lagerten dort sogar Schätze um sie vor Diebstahl zu schützen.

Auch die Germanen hatten Freistätten an heiligen Orten, die nach ihrem Verständnis unter dem Schutz der Götter standen. Ihre Opferstätten auf Bergen und unter mächtigen Bäumen gewährten dem Verfolgten einen sicheren Schutz. In der fränkischen Zeit kamen zu den bekannten Asylplätzen weitere in Kirchen, Klöstern und Burgen hinzu.

 

Nach der Aufhebung der Freistätten 1785 erhielt Leideneck den Armesünderweg.
Kurz vorher, 1783 gab es noch eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Mastershausen und Leideneck wegen des Armesünderweges. Dabei ging es um den strittigen Grenzverlauf des Armesünderweges zwischen Leideneck und Mastershausen. Die Differenzen um die Grenzpunkte, die wohl schon seit längerer Zeit bestanden, führten 1751 dazu, dass Mastershausen 2 Grenzstein entfernte, die zuvor von Leideneck gesetzt worden waren. Dabei beriefen sich die Mastershausener auf einen Grenzpunkt, den „man den 3 Herrenstein nannte, die Leidenecker aber nie dafür erkannten“. Zum Beweis für den ursprünglichen Grenzverlauf wurden Akten des Amtes Baldeneck aus dem Jahre 1514 herangezogen. Die Auseinandersetzung fand ihren Höhepunkt darin, dass Leideneck 1776 „2 Stämme auf dem strittigen Platz abgehauen und Mastershausen 2 Stämme dagegen gehauen hat“.

 

Katasterkarte

Am Ende wurde Mastershausen 2/3 der strittigen Fläche und Leideneck 1/3 zugesprochen.
Nach der Flurbereinigung im Jahre 1935 (Leideneck) ging dieses kleine aber geschichtsträchtige Stück Land an die Gemeinde Kappel über.

Quellen:

Vgl. Freistätten für Verfolgte, Jakob Rausch,
Vgl. Von der Kyllburger Stiftsfreiheit, G. J. Meyer, 1962
LHA Koblenz, Bestand 1 C, Nr. 17022

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