Die Eroberung durch die Amerikaner - Gemeinde Mastershausen

Die Eroberung durch die Amerikaner (I. Gastdorf)

Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive im Januar 1945 erreichte die Front am 18.Februar den Hunsrück. Die wenigen Kilometer von der französischen Grenze bis nach Mastershausen waren in blutigen Bunkerkämpfen genommen worden. Nachdem die Eifel verloren gegangen

Besetzung des Hunsrücks

 

war, sollte der Hunsrück in der „Bastion Saarpfalz“ zur Brückenkopffestung weiter ausgebaut werden. Die deutschen Truppen sammelten sich in den Hunsrückorten und bauten diese durch Panzersperren und MG-Nester aus. Am Erbeskopf wurden Abschussrampen für V1 errichtet und die Verbliebenen, soll heißen, die nicht evakuierten oder an der Front gebliebenen Männer ab 15 Jahren, zum Volkssturm gerüstet.

Die Wehrmacht rechnete damit, dass der Angriff von Süden erfolgen würde, da im Norden als natürliches Hindernis die Mosel schützte. Doch die Alliierten umgingen den gut geschützten Westwall und setzten vom 13. bis 16. März an mehreren Stellen über die Mosel. Die vorher von der Eifel aus schon beschossenen Dörfer im Hunsrück, in denen noch vereinzelt schwache deutsche Verbände lagen, konnten dem Eindringling kaum Widerstand leisten. In nur zehn Tagen hatten die Amerikaner, unterstützt durch die Luftwaffe, den Hunsrück quasi überrannt, stets die deutschen Truppen vor sich hertreibend. Mastershausen war bis zum Zeitpunkt seiner Eroberung (17. März) völlig unbeschadet. Noch nicht einmal ein Fenster war zersprungen. Dabei wurden die umliegenden Dörfer teils aus der Eifel teils durch die Luft beschossen, und man sah auch Tiefflieger über Mastershausen kreisen, von denen aber nur einer seine Ladung abwarf. Die Bomben gingen jedoch in ein Feld und beschädigten nur drei Obstbäume, was auf einen Notabwurf schließen lässt.
Schon im Dezember 1944 kamen Einquartierungen in das damalige Schulgebäude, heute Eigentum der Fa.Steffen. Sieben Schwestern des Rudolfinums aus Trier besetzten dort zwei leere Schulräume. Am darauffolgenden 15. Januar 1945 richteten Schwestern aus dem Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier das Irminen Hospital mit Operationssaal dort ein. Das von den Dorfbewohnern so genannte „Lazarett“ bestand auch noch nach dem Einrücken der Amerikaner bis zum 19. Juli 1945, sehr zum Glück für viele Verwundete und Kranke. Selbst eine Läuseplage, die zu der Zeit den örtlichen Kindergarten heimgesucht hatte, konnte dort erfolgreich behandelt werden.
Da der Hunsrück seit jeher als Aufmarschgebiet der deutschen Truppen gedient hatte, waren natürlich auch militärische Einrichtungen vorhanden, zuletzt eine Flakeinheit, die am 20.12.1944 wegen der Ardennenoffensive abgezogen wurde. Für den Fall, dass diese Einheit Feindbeschuss auf Mastershausen gezogen hätte, hatten die Einwohner ihre Keller in so genannte „Bunker“ umgerüstet, die ihnen im Ernstfall aber wahrscheinlich nur wenig Schutz geboten hätten. Im Wald wurden provisorische Hütten gebaut, um Vorräte und Wertgegenstände zu lagern. Im Notfall sollten diese außerdem zum Kochen und Schlafen dienen.
Am Nachmittag des 16. März konnte man schließlich die Fahrzeuge der Amerikaner am gegenüberliegenden Bergrücken bei Buch erkennen. Sie waren von Treis-Karden kommend das Flaumbach-Tal hinaufgefahren, hatten Mörsdorf umgangen und Buch erobert. Dort im Nachbarort schienen sie zu verweilen. Die Dorfbewohner versuchten nun, die verbliebenen durchziehenden deutschen Soldaten zu überreden, den anderen zum zwei Tage vorher verlegten Hauptverbandplatzes zu folgen, was zunächst aber misslang. Denn die Soldaten wollten Mastershausen an beiden Enden des Dorfes mit Panzersperren und MG-Nestern verteidigen. Ein Versuch durch Mastershausener Bürger die Panzersperre abzubauen, soll sogar mit Warnschüssen der deutschen Soldaten beantwortet worden sein. Als die Soldaten jedoch die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage erkannten und dann auch noch der Bäcker mit entsprechenden Mengen selbst gemachten Weins ein wenig nachhalf, ließen sie sich schließlich doch zum Abzug bewegen. Die Schulchronik, verfasst von dem oben bereits erwähnten parteitreuen Lehrer, schildert die Lage als freiwilliges Abziehen der Truppen, wahrscheinlich aus Furcht vor eventuell wieder auftauchenden Parteifreunden.
Hugo Steffens, Anton Adams, Mathias Steffen (Gründer der Fa.Steffen) und der erst siebzehnjährige Leo Christ wurden noch am 08.März zum Volkssturm eingezogen. Auf anraten eines Feldwebels, flüchteten sie mit zwei bis drei weiteren Männern bei Hundheim in den Wald. Dort versteckten sie sich für ein Weile in einer Hütte.
Die Tatsache, dass die Amerikaner in Buch eingezogen waren, brachte natürlich das ganze Dorf in Aufruhr. Daraufhin entschlossen sich, nachdem sich der damalige Pastor Kasper geweigert hatte, Hugo Steffens, Mathias Steffen, Anton Adams und Leo Christ den Amis entgegen zu fahren (die vier waren inzwischen wieder nach Mastershausen zurückgekehrt). Hugo Steffens holte sein Auto aus dem Versteck im Wald. Dann fuhr man, Leo Christ auf der Kühlerhaube sitzend, mit einem weißen Handtuch, das als Fahne diente, in Richtung Buch. An der Burgruine Balduinseck, auf halbem Wege im Tal zwischen Mastershausen und Buch, wurden sie von den ersten „Schwarzen“ gestoppt. Einer der wenigen weißen Amerikaner in dieser Vorhut sprach zum Glück deutsch (ein Frankfurter Dialekt). Also trugen die vier ihr Anliegen vor und versicherten, dass keine bewaffneten Soldaten mehr im Ort seien. Sie wurden abgetastet und nachdem sie zwei Stunden in einer Scheune gewartet hatten wurden sie unter Drohungen zum Kommandanten geführt. Dieser wies sie auf die vorgesehene Eroberung Mastershausens um 10.00 Uhr des nächsten Tages hin. Die Delegation verbrachte eine schlaflose Nacht bei der Tante von Bäcker Leo und musste am nächsten Morgen mit der Einheit voran fahren. Als sie von weitem jedoch die weiße Fahne am Kirchturm sahen, wussten sie, dass kein Schuss fallen würde. Der Lehrer des Ortes spricht die Kapitulation in der Schulchronik drei serbischen Kriegsgefangenen zu. Diese Beschreibung ist aber verständlich, zieht man ein etwaiges Zurückkehren der deutschen Truppen in Betracht.

Im Dorfe angekommen, durften die vier Männer gehen. Von den übrigen Dorfbewohnern war, außer halb versteckt hinter zurückgezogenen Gardinen, zunächst nichts zu sehen. Doch schon bald siegte die Neugierde über die Angst, die man vor allem vor den unbekannten „Schwarzen“ hatte. Die Kinder untersuchten die Panzer und bekamen Kaugummis, Kekse und Zigaretten zugeworfen. Allmählich breitete sich eine Art Erleichterung aus, in Zukunft nicht mehr die Bombenangriffe und den Feindbeschuss wegen anwesender Soldaten fürchten zu müssen. In der Zwischenzeit hatten die Amerikaner begonnen, die Häuser nach Hakenkreuzfahnen, Parteiabzeichen oder ähnlichem zu durchsuchen. Diese Dinge stellten beliebte Souvenirs dar, wurden allerdings größtenteils bereits im Vorfeld von den Besitzern verbrannt. Gesucht wurde auch nach zurückgebliebenen deutschen Soldaten, welche dann in Gefangenschaft gehen mussten. Nach ca. zwei Stunden, nachdem alle Waffen abgeliefert worden waren, rückten die Amerikaner in Richtung Krastel bzw. Wohnroth ab. Nach ein paar Tagen kehrten sie jedoch ins Dorf zurück. So wurden zum Beispiel die Bewohner des Heckersch Hauses (heute Fuchs) aufgefordert in einer Stunde das Haus zu verlassen, um es der Kommandantur mit vier Mann zu übergeben. Schnell wurden noch Wertgegenstände, Wäsche usw. in Nachbarhäuser in Sicherheit gebracht. Der damalige Besitzer des Hauses Peter Christ hatte sich auf dem Heuboden versteckt, weil er sein Haus nicht verlassen wollte. Doch nach gutem Zureden hat er schließlich sein Versteck verlassen und alle kamen letztlich bei Verwandten unter. Zwei Töchter des Hauses und zwei Mädchen aus dem Dorf mussten für den Kommandanten und seine Leute kochen und alles in Ordnung halten. Abends vor der Ausgangssperre mussten sie das Haus verlassen und keiner durfte mehr auf die Strasse. Das Sternenbanner hing aus dem Speicherfenster heraus und die Bewohner durften nur zum Füttern und Melken des Viehs Stall und Scheune betreten. Erst nach drei Tagen Requirirung konnten die Bewohner endlich wieder in ihr Haus zurück, jedoch hatten die Amis eine Menge Flöhe hinterlassen. Angebrochene Packungen von Kaffee und Milchpulver ließen sie zur Freude der Bewohner zurück. Die vier Mädchen hatten während der drei Tage auch den angefallenen Kaffeesatz aufgehoben, wovon dann nochmals ein guter Kaffee gekocht wurde, da man ja nichts hatte. Nachdem die Amerikaner nun das Dorf verlassen hatten, rückten Ende Juli französische Soldaten als Besatzung ein.

Die 1926 abgebrannte Gastwirtschaft und Poststelle von Peter Christ (Vater von Ewald Peter Christ), dort wo heute die Bürgerhalle steht, diente in der Hitlerzeit als Reichsarbeitsdienstlager (RAD) für Frauen.

Reichsarbeitsdienstlager

Dieses Gebäude war zu der Zeit vom Landkreis Zell angemietet worden. Weil viele Bauern ihren Kriegsdienst leisten mussten wurden den dadurch allein stehenden Bauersfrauen die dort untergebrachten Arbeitsmaiden (genannt „Lagerbibbe“) als Helferinnen in der Landwirtschaft zugeteilt. In dieser Zeit erfolgte auch die Geiselnahme (am 04.August 1945).

 

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