Geiselnahme - Gemeinde Mastershausen

Geiselnahme (G. Thomas)

Es gibt wohl kaum einen Ort in Deutschland und den Ländern, die in den 2. Weltkrieg involviert waren, der nicht von den dunklen Ereignissen dieser Zeit einiges zu berichten hätte. So fand am 4. August 1945, kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges, auch in Mastershausen ein, auch für Kriegszeiten, nicht ganz alltägliches Ereignis statt, welches den Ort und seine Bewohner 3 Wochen lang in Atem hielt.

Zu dieser Zeit waren französische Besatzungstruppen im Ort stationiert. Ein Soldat dieser Truppen wurde eines Tages im Wald zwischen Mastershausen und Sosberg, an der Seifenwiese, angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Er war dort mit einem Kameraden zur Jagd gegangen. Für die Franzosen war klar, der Täter konnte nur ein Mastershausener oder Sosberger Bürger gewesen sein. Entsprechend wurde gehandelt. Der Schwerverlezte wurde sofort ins französische Militärlazarett nach Wittlich verlegt.

Die Ereignisse aus dieser Zeit wurden von Maria Fuchs geb. Christ zusammengefasst. Zeichnungen und Gedichte von ihrem Mann, Werner Fuchs, der unfreiwillig in das geschehen einbezogen war, sowie ein Zeitungsartikel, ergänzen ihre Ausführungen.

Geiselnahme in Mastershausen durch die französische Besatzung am 04. August 1945
(Ein Bericht aus dem Jahre 1983 von Maria Fuchs geb. Christ)

Kurz nach dem Abzug der Amerikaner aus Mastershausen kamen französische Besatzungssoldaten in unser Dorf. Ein Leutnant wohnte in unserem Haus. Am 04.August ertönte die Dorfschelle: Alle Einwohner mussten sich sofort auf die Pfingstwiese begeben (dort wo jetzt die Tankstelle ist). Männer, Frauen und Kinder mussten sich getrennt aufstellen. Einige Franzosen durchsuchten die Häuser nach evtl. zurückgebliebenen und trieben sie hinaus. (Für eine Frau, die in den Wehen lag, besorgten sie die Hebamme aus dem Dorf.)

Nachdem 20 Männer namentlich aufgerufen waren, mussten alle anderen wieder in die Häuser zurück, diesen Männern wurde befohlen, sich an unserer Hauswand aufzustellen. Marokkaner standen mit Gewehren auf der Straße vor ihnen. Nachdem man ihnen Schaufel und Hacke über den Zaun geworfen hatte, glaubten alle, sie müssten sich ihr eigenes Grab schaufeln.

Ich unterhielt mich vom Küchenfenster aus mit ihnen, was mir aber bald verboten wurde. Also ging ich ans Scheunenfensterchen und sprach von dort aus ganz verstohlen mit ihnen. Manch einer vertraute mir ein Geheimnis an oder überreichte mir sein Portemonnaie. Andere gaben mir Aufträge für die Frauen zu Hause. Schließlich wurden sie in unsere frühere, kleine Schule geführt. Dort wurden sie notdürftig untergebracht und wie die schlimmsten Verbrecher bewacht.

Der alte Förster Thönies und der alte Wirt Jakob Steffens, sowie Otto Justen und Jakob Schweitzer wurden ausgetauscht gegen 2 jüngere Leute. Musste jemand zur Toilette, wurde er von einem bewaffneten Franzosen begleitet. Das Essen, das zu Hause für sie abgeholt wurde, durchstocherten die Franzosen mit dem Bajonett. Unten, im Essenstopf von meinem Mann, versteckte ich immer ein kleines Zettelchen mit den neuesten Nachrichten, und auch er teilte mir das Neueste auf diese Weise mit. Jeden Tag sagte man ihnen: „ Wenn ihr nicht sagt, wer geschossen, dann ihr geschossen!“ Zunächst wusste niemand, was eigentlich geschehen war. Allmählich wurde klar, warum die Soldaten wütend und aggresiv waren. Einer ihrer Kameraden, ein Feldwebel, war angeblich von einem deutschen Heckenschützen im Wald angeschossen worden.

Die Geiseln wurden zum Tatort in der „Seifenwiese“, im Wald zwischen Mastershausen und Sosberg, gefahren, um den Hergang des Geschehens zu schildern. Doch da sie ja zur Tatzeit alle im Dorf waren, konnte natürlich niemand etwas aussagen. Auch unser Pastor Kasper, der zu ihnen in den Kerker geschickt wurde, konnte ihnen in keiner Weise helfen.

Stilleben im Kerker

Gleichzeitig wurden auch in Sosberg 20 Männer als Geiseln genommen, nachdem, genau wie in Mastershausen, alle Häuser nach Waffen durchsucht worden waren. Diese 20 Sosberger wurden unter strenger Bewachung zur französischen Kommandantur nach Blankenrath gebracht und dort eingesperrt.

Die Geiseln wurden täglich durchs Dorf an das frühere Mädchen-Arbeitsdienstlager, (jetzige Bürgerhalle) geführt, wo die Franzosen untergebracht waren. Sie mussten dort kehren, kochen und allerlei sonstige Tätigkeiten verrichten. So allmählich lockerte sich die Situation für die Geiseln, nachdem sich das Gerücht von einem Fehlschuss bei der Jagd verbreitete. Als das bekannt wurde, sprach ich eindringlich und öfter mit dem in unserem Hause einquartierten Leutnant. Dieser bestand jedoch darauf, dass ein Deutscher der Täter war. Wir hatten eigentlich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm, zumindest bis zum Zeitpunkt der Geiselnahme. Von dieser Zeit an behandelte er uns jedoch von oben herab und zeigte sich äußerst feindselig.

Wie aber kam es zu dieser glücklichen Wendung?

Wie erst viel später bekannt wurde, hatte der im Lazarett liegende, mit dem Tode ringende französische Feldwebel einen Priester gebeten, sich für die Geiseln einzusetzen. Es wäre ein Jagdunfall gewesen und er sei versehentlich von seinem Kameraden angeschossen worden. Wie es hieß, bekam er Gewissensbisse, als er erfuhr, dass alle Geiseln erschossen werden sollten, falls der Täter nicht gefunden werde. Nachdem der fanzösische Kommandeur den Jagdkammeraden des Angeschossenen mit diesen Aussagen konfrontierte, gab er den Unfall schließlich zu. Der damalige Landrat Mertesheimer hatte sich ebenfalls sehr für die Freilassung der Geiseln eingesetzt.

Alle Geiseln, 20 Männer aus Mastershausen und 20 Männer aus Sosberg wurden endlich, nach drei langen, ungewissen Wochen, entlassen.

Folgende Personen wurden damals von den Franzosen inhaftiert:

1. Steffens, Jakob Nr. 109 (entlassen) Vater von Brunhilde Etges
2. Schweitzer, Jakob Nr. 22 (entlassen) Besitzer der Schweitzer Mühle
3. Thönies, Hubert Nr. 71 (entlassen) Förster von Mastershausen
4. Justen, Otto Nr. 94 Vater von Oskar Justen
5. Meinerz, Anton Nr. 24 (entlassen) Vater von Rosa Weinem
6. Kochhan, Eberhard Nr. 23 Vater von Walter Kochhan
7. Hoff, Wilhelm Nr. 60 Opa von Werner u. Margret Steffens
8. Rockenbach, Franz Nr. 112 Opa von Elfi Haberkamp
9. Christ, Josef Nr. 23 (Ersatz f. Nr. 5) Onkel von E.-Peter Christ
10. Petry, Martin Nr. 93 Mann von Maria Petry (Poss Marie) 11. Bernadi, Josef Nr. 131 zugezogen
12. Hoff, Josef Nr. 127 (Ersatz f. Nr. 20) Vater von Inge Ahlert
13. Menningen, Heinr. Nr. 86 zugezogen aus Düsseldorf,
Schwiegervater v. Nelly Christ
14. Christ, Franz Nr. 67 Bruder von Toni Christ (Schmied)
15. Holl, Toni Nr. 82 Vater von Werner Holl
16. Steffens, Hugo Nr. 49 Vater von Christel Holl
17. Fuchs, Werner Nr. 16 Vater von Ingrid Gastdorf
18. Steffens, August Nr. 85 Vater von Theo Steffens
19. Zilles, Arnold Nr. 4 Onkel von Karl-Heinz Zilles
20. Christ, Kunibert Nr. 174 (entlassen) Vater v. Manfred Christ

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