Die älteste erhaltene Kirchenrechnung - Gemeinde Mastershausen

Die älteste, erhaltene Kirchenrechnung von 1707

Zwischen zahlreichen, alten Urkunden lag eine Kirchenrechnung. Sie hat das Format eines Oktavheftchens, umfasst 35 beschriebene Seiten, wovon 24 Seiten für die Einnahmen und 11 für die Ausgaben verwendet wurden.

Görg Schmitz und sein Geselle Dederich Bauer hatten die Einnahmen, die nicht nur in Zinsen-Geld, sondern auch in Öl, Korn und Hafer bestanden, einzutreiben.

Auch die „Spenn-Gelder“ (Abgaben für die Armen) mussten sie einsammeln und vor allem den auswärtigen Geldausleihern nachlaufen.

In Senheim waren dies: Matheiß Görgen, Joan Mentzen, Nicolaus Thisen, der Gorgius,

H(err) Niclaß Platten und Peter Hames.

In Mesenich: Frentz Arentz Ww., Matheiß Zentzen, Frantz Lentzen Erben, Joan Jacob Hames,

Schwenden Joan, Joan Antonii Ww.

in Prieden: Joan Kürtzlern modo des Schultheißen zu Strimmig.

in Ellentz und Poldersdorf: Frantz Schneidern Ww., Joan Adam Häubts, Peter Tilman, Joan Daniel Tilman.

in Mörsdorff: Martin Loris

in Castellaun: Joan Wilhelm Castello, Jeremias Conradus Schmitz, Nicolaus Friderich Hoffmann, Joan Nicolaus Schmitt.

in Spesenroth: Joan Anton Seib

von den Hoben: Nicolaus Dill

von Hündheim: Joan Thomas

von Bell: Andres Paltz, Jacob Mönich, Frantz Adam Baltes, Frantz Cülman.

aus Vülkheroth: Nicolaus Seib, Joan Henrich Mörz, Frantz Antriß, Maria Sydern.

aus Graßel: Michael Lauxen Erben, Andres Heiles.

aus Worrich: Joan Peter Klein, Joan Peter Jünkern.

aus Laudeneck: Joan Matheiß Petri, Thomas Michael, Frantz Goitzen. Joan Frantz Francken,

Peter Müller.

aus Cappel hatte Abraham 24 alb an Zinsen zu zahlen,

aus Löffelscheid: Joan Michael Wirdes 2 fl und 19 alb,

aus Pederswald: Peter Schmitz 10 alb,

aus Plankenrath: Jacob Simon 1 fl und 21 alb.

 

Genannt werden noch Peter Zirwes aus Haserich und Joannes Kremer aus Reidenhausen.

Die Namen der auswärtigen Darlehensnehmer sind deshalb hier angegeben, um den zum Teil sehr kleinen Ortschaften eine Möglichkeit zu geben, etwas über ihre Vorfahren zu erfahren, deren Familiennamen allerdings auch häufig in Mastershausen zu finden sind.

Bei den Ausgaben sind einige recht interessant, dass z.B. den Chorsängern am Ostermontag

1 fl und 3 alb gegeben wurden. Dieser Hinweis aus dem Jahre 1707 ist der älteste Eintrag über einen Kirchenchor. Es könnte demnach der jetzige Chor im Jahr 2007 sein dreihundertjähriges Bestehen feiern. Den Chorsängern wurden ex gratia zusätzlich 9 alb gegeben und in der Creutzwoch den Chorsängern 1 fl 3 alb.

Wegen der gestifft Jahrgezeit 15 fl 18 alb, wegen Meßwein 6 fl 18 alb, sodann gab es Ausgaben für Schreiberlohn 1 fl 12 alb, denjenigen, die Früchte lieferten 1 fl 3 alb und wegen Rechnung Ünkosten 10 fl.

Die größten Ausgaben aber entstanden durch verschiedene Darlehen, die gewährt wurden:

an Mathiae Hames Ww. 35 fl 18 alb

an Görg Dederich 10 Rthl

an Peter Nicolai 10 Rthl.

Dieser Peter Nicolai hat nochmals 8 fl und 10 alb und schließlich noch 5 Rthl. geliehen; auch der Görg Dederich bekam am 12. Mai nochmals 5 Rthl.

Schließlich lieh man der Catharina Baum noch 7 Rthl. und 38 alb.

Ausgaben waren noch entstanden dadurch, dass am Ostermontag die Schöffen 1 fl und 3 alb und auch dei Ceremonialträger 1 fl und 3 alb bekamen. Für Kerzen wurde 1 fl 9 alb, für Hostien 6 alb ausgegeben. Dann hatte man 2 fl Unkosten für Tagelohn und 16 alb für gesponnenen wachs. Der Thisen erhielt eine Entlohnung für zwei Gänge nach Zell und nach Senheim.

Es folgen in der Kirchenrechnung von 1707 etliche Ausgaben für Baumaterialien. Es wurden gekauft: Kalk 6 fl, Bord zu Zell 9 fl, noch Bord gekauft 8 fl, dem Schreinermeister 4 fl, dem Maurer zu Lohn 9 Rthll, Leyen (Ziegel oder Backsteine) und Nägel für 3 fl, dem Leyendecker

4 fl, dem Schmied 3 fl 12 alb, Fenster gemacht 9 alb, den Bogen und den Altar zu illuminieren

3 fl, das Seil an der Ampel 1 fl, wegen der Fenster im Chor 3 fl.

Sodann finden sich dazwischen noch Ausgaben für den Schulmeister, der bei Jahrgedächtnis-messen den Gesang leitete, 5 fl 8 alb; sodann wurden nochmals Hostien gekauft für 6 alb und Kerzen für 9 fl 10 alb. Gegen Ende des Jahres mussten noch einmal Hostien, Weihrauch und Johanniswein gekauft werden (am Fest des hl. Johannes Evangelist (27.12.) wurde allen Kirchenbesuchern Wein ausgeschenkt). Dazu wurde verschiedentlich Geld ausgeliehen, wiederum an Peter Nicolai, an Görg Dederich und Johann Görg Hermes.

Endlich im Dezember 1709 kann Jörg Schmitz diese Rechnung abschließen. 19 fl und 15 alb, die übrig waren, wurden in die Kirchenkiste gelegt. Die Kirchenkiste – in Buch existiert sie

noch – stand im Gewölbe des Kirchturms; sie war mit starken Eisen beschlagen und mit drei Schlössern versehen. Für das Schloss an die Speicher Thüre 2 fl und 9 alb. Schlösser waren recht teuer, wie aus diesem Eintrag ersichtlich. Das Bucher Kirchenbuch verzeichnet auf Seite 73 das einzige Darlehen, das an einen Mastershausener gegeben wurde: Michael Meürer undt seine Haußfrau Anna erhielten 1664 den 28 Xbris 15 fl 18 alb. Als dieses Darlehen 1698 zurückgezahlt wurde, heißt: Obiges Capital abgelegt in praesens der Kirchenscheffen und in die Kist gelegt.

1723 am 16. Mai machen Joan Görg Hoff aus Sosberg und seine Frau Margarethe ihr Testament. Da ihre Kinder alle verstorben, stiften sie 100 Rthl. für eine Wochenmesse, die montags oder freitags gehalten werden soll, ebenso soll je ein Amt um das Fest des hl. Georg (23.04.) und das der hl. Margarethe (20.07.) gefeiert werden. Johann Georg Hoff, der das Testament bei klarem Verstand machte, allerdings bereits krank war, zeichnete es mit seiner Hausmarke, einem großen H, ab. Er war Sent- und Gerichtsschöffe. Am 29. Mai 1723 ist er gestorben.

Es war manches Mal nicht so einfach mit einem Testament. So ließ z.B. am 4. November 1729 die Anna Meinartz um 11.00 Uhr nachts den Pastor und etliche Schöffen kommen, um in ihrer schweren Krankheit zwei ewige Jahrgedächtnisse zu errichten, und zwar das eine in der Oktov von Maria Himmelfahrt (15.08.) in Mastershausen und das andere in er Oktov von Maria Geburt (08.09.) in Mörz. Den beiden Töchtern ihres Mannes aus erster Ehe vermacht sie etlichen Besitz, weil sie in ihrer Krankheit sie gepflegt haben. Ferner vermacht sie der Pfarrkirche zu Mastershausen etliche Felder, die von ihrer Seite her kommen. Warum dieses Testament so plötzlich in der Nacht aufgesetzt werden musste, wird nicht gesagt, aber man kann es sich denken.

Nachdem die Kirche besser gegen Einbrüche gesichert und auch etliche notwendige Repara-turen durchgeführt worden waren, konnte eine kurze Weile eine ruhige Zeit das Leben in Mastershausen bestimmen. Doch dann gab es die ungklückliche Feuersbrunst, wodurch fast das halbe Dorf sambt dem Pfarrhaus eingeäschert wurde.

Leider ist die Lucia Stein im 1736. brandt zu Mastershausen verohnglückt. Sie war ein unmündiges Kind, das Niclas Meinerths der Alte aufgenommen hatte. Diese Lucia war nämlich das Kind der Schwester seiner Frau Anna gewesen. Die Clara Stein und seine Frau waren geborene Clauer.

Vor etwa drei Jahren habe er die Lucia bei sich aufgenommen. Deren Mutter hatte jedoch noch ein Testament aufgesetzt, in dem festgelegt worden war, dass, falls Lucia unverheiratet stirbt, die Hälfte ihres umfangreichen Besitzes an die Kirche in Mastershausen fällt. Dieses Testament war allerdings ebenfalls in dem Brand vernichtet worden.

Neben Niclas Meinerth wurden die beiden Schöffen Mathias Hermes und Philipp Baur, die bei der Erstellung des Testamentes zugegen waren, befragt. Sie konnten bestätigen, dass Clara sich noch guter Vernunft und Verstand befunden, als sie das Testament aufsetzen ließ. Es war genau festgelegt, dass Bounnen Niclas Töchterchen, welches ihr Taufpädtgen wäre, das feldt auf Castel, so ein anwendt wäre. Item Bounen Niclas Fraw Ein feldt auffm Hasselberg, und Niclas Meinerths des Alten Tochter Tochter Maria Catharina ein feldt auf Cahsell in der Todtenkaull. Die übrigen alle aber wie es Nahmen haben möge die Kirch zu Mastershausen Erblich ziehen und behalten sollen.

Die Zeugen mussten unter Eid versichern, dass ihre Angaben korrekt sind. sie zeichneten das Protokoll mit ihren Hausmarken ab, weil sie des schreibens unerfahren waren. Es ist erstaunlich, dass selbst Schöffen um 1736 in Mastershausen noch nicht Schreiben konnten. Ein Notar namens Laurenberg zeichnete das Protokoll, das in zweifacher Ausführung vorliegt, ab.

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