Informationen zum Dorfzentrum (9)

//Informationen zum Dorfzentrum (9)

Informationen zum Dorfzentrum (9)

Am Freitag, dem 27. April fand die Auftaktveranstaltung der Arbeitsgruppe Dorfzentrum statt. Außer dem Vertreter von M.Punkt RLP, Volker Bulitta, und seinem Mitarbeiter, Markus Gietzen, waren 13 Teilnehmer erschienen. Leider konnte die Arbeit des Projektteams erst jetzt beginnen, weil durch den vergeblichen Versuch, Zuschüsse aus dem LEADER-Programm zu bekommen, viel Zeit vertan worden war. Auf der Suche nach einem anderen Förderprogramm stieß die Gemeinde auf „M.Punkt RLP“. M.Punkt RLP ist eine zentrale Anlaufstelle in Rheinland-Pfalz für alle Fragestellungen rund um die Themen Dorf-/Nachbarschaftsläden, gefördert vom Ministerium des Innern und des Sports. Ansprechpartner für die Gemeinde ist dabei der Geschäftsführer der „Volker Bulitta Unternehmensberatung“: MBA Dipl. Betriebswirt Volker Bulitta.

Zu Beginn rief Elke Haberkamp mittels einer Power-Point-Präsentation noch einmal in‘s Gedächtnis, was in den letzten Jahren schon alles unternommen wurde, um das Projekt Dorfzentrum aus der Taufe zu heben: Erster Beschluss des Gemeinderates Ende 2015, Besichtigung eines Dorfzentrums in Bühl-Eisental 2016, Erarbeitung und Vorstellung einer Basisanalyse (Bürgerversammlung am 27.1.17), Workshop und Gründung der Arbeitsgruppe Dorfzentrum am 25.3.17, Durchführung und Vorstellung einer Haushaltsbefragung sowie Darstellung einer Machbarkeitsstudie (Bürgerversammlung am 30.6.17), Antrag auf Fördermittel aus dem LEADER-Programm (Herbst 2017). Besichtigungsfahrten zu Dorfläden in Greimersburg, Illerich, Mandern und Klausen (Frühjahr 2018).

Dorfzentrum Arbeitsgrupe 27.4.18

Jürgen Schneiders (links), Volker Bulitta (Mitte) und Markus Gietzen (rechts)

Dann ergriff Herr Bulitta das Wort und stellte zunächst einmal fest, dass er und seine Mitarbeiter der Auffassung sind, dass ein Dorfladen für Mastershausen „machbar und tragfähig“ sei. Tragfähig heiße, dass der Laden nicht laufend bezuschusst werden müsse. Er schätzte die Umsätze des geplanten Dorfladens in Mastershausen auf 200.000 bis 300.000 Euro/Jahr. Er hege zurzeit keinen Zweifel daran, dass ein erfolgreicher Betrieb eines Dorfladens in Mastershausen möglich sei.

Allerdings sei ein Dorfladen etwas anderes als ein üblicher Supermarkt. Die Leitfrage müsse sein: Welche Dinge bringen Geld und welche kosten nur Geld? Mit Hilfe dieser Frage müsse der vorhandene Wunschkatalog überprüft werden. Der Laden müsse sich schließlich selbst tragen. Je mehr zusätzliche Angebote man plane, umso schwieriger werde die Umsetzung. Im Übrigen gehe es bei dem geplanten Projekt ja nicht vorrangig um die Versorgung der Einwohner von Mastershausen mit Lebensmitteln, sondern um die Schaffung eines Kommunikationszentrums, das den Zusammenhalt im Dorf fördern solle.

Auch Markus Gietzen wies darauf hin, dass seiner Meinung nach ein Dorfladen in Mastershausen funktionieren könne. Er hielt sogar einen Umsatz von 350.000 bis 400.000 Euro nicht für ausgeschlossen. Aber alle Zusatzleistungen mit Raumbedarf für den Laden müssten kritisch bewertet werden. Schließlich müsse der zu erwartende Umsatz ausreichen, um alle Aktivitäten zu finanzieren, die Geld verbrauchen statt Geld zu bringen. Wesentliche Angebote des Ladens müssten sein:

  • Regionale Produkte
  • Frisches Fleisch
  • Frische Backwaren.

Man verdiene nur an diesen Dingen. Dosen würden im Wettbewerb mit den großen Anbietern keinen Gewinn abwerfen.

Volker Bulitta nannte weitere Bedingungen, die für einen erfolgreichen Betrieb des Ladens zu beachten seien: Vor allem müsse der Laden so viel Profit abwerfen, dass das Personal anständig bezahlt werden könne. Zumindest eine Person müsse während der Öffnungszeiten auf Dauer bezahlt werden können (Mindestlohn). Der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeitern sei problematisch und nur flankierend denkbar. Es sei auch wichtig, dass es jemand gebe, der verantwortliche Entscheidungen treffen könne, basisdemokratische Entscheidungen seien hier fehl am Platze. Darüber hinaus seien vernünftige Öffnungszeiten wichtig. Was die Einrichtung des Ladens angehe, so müsse die Regel lauten: Einfach und gut.

Bulitta warnte davor, dass sich die Gemeinde abhängig von Investoren mache. Durch die komme man in eine sachliche und fachliche Abhängigkeit. Außerdem verlange ein Investor eine Mindestrendite, die ein Dorfladen normalerweise nicht abwerfe. Für das Ladengebäude komme nur die Gemeinde als Investor in Frage. Das Wohnhaus (Stein‘s Anna) könne dagegen von einem Investor übernommen werden.

Im Hinblick auf die Größe des Laden-Gebäudes riet Bulitta zur Risikominimierung. Die Ladengröße solle zwischen 120 und 200 qm liegen, gut seien 150 qm. Hinzu kämen ca. 30 bis 50 qm für Sozialräume, Kühlraum, Lagerraum und Toiletten, evtl. gebe es weiteren Raumbedarf für einen Getränkemarkt, für ein Gemeindebüro und/oder Touristbüro und/oder Gemeindeschwesternzimmer.

Eine längere Debatte entzündete sich an der Frage, ob im Zuge des Ladenneubaus im Obergeschoss ein Saal errichtet werden solle. Bulitta stellte klar, dass der Saal nicht vom Laden finanziell getragen werden dürfe. Aber die Saalfrage sei eine politische Entscheidung. Sie soll nun Gegenstand des nächsten Treffens des Projektteams sein.

Bulitta forderte das Projektteam dazu auf, bis Ende Juni belastbare Entscheidungen für das Raumprogramm zu treffen. Sobald das Projektteam in Absprache mit dem Gemeinderat Klarheit über das Raumprogramm geschaffen habe, werde das Büro Bulitta eine schematische Skizze vorlegen, aufgrund derer dann die Baukosten grob geschätzt werden könnten. So könne ein Architekt dann auch schon eine vorläufige Planung anstellen. Der Laden könne und solle, so sahen es auch die Teilnehmer, Ende 2019 oder Anfang 2020 eröffnet werden.

Zuletzt wurde über die Betriebsform gesprochen, die nun gefunden werden müsse. Vor allem böten sich, so Bulitta, der „Wirtschaftliche Verein“ und die „Genossenschaft“ als Betriebsorganisationsformen an, möglicherweise auch eine GmbH oder ein gemeinnütziger Verein. Von Vorteil sei in allen Fällen die Ausgabe von Anteilen, wodurch der Rückhalt in der Bevölkerung gestärkt werde. Die Ausgabe von Anteilen zur Identifizierung mit dem Projekt sei als die klassische Bindung anzusehen und auch in unserem Fall unbedingt anzubieten.

Für die Finanzierung des Gebäudes könne die Gemeinde auf Fördergelder rechnen. Für die Laden-Einrichtung und Erstausstattung müsse man mit ca. 50.000 Euro rechnen. Die Gemeinde könne dem Träger des Ladens ein Darlehen in der genannten Höhe geben. Der Träger zahle dieses Darlehen dann in umsatzabhängigen Raten an die Gemeinde zurück. Das sei ein übliches Modell, das wohl auch für unseren Laden Anwendung finden werde.

Arbeitsgrupe Dorfzentrum

 

Nun geht es also darum, zunächst das Raumprogramm aufzustellen. Das Büro Bulitta wird danach Unterlagen liefern, die als Grundlage für eine Kostenschätzung dienen können. Im nächsten Schritt muss dann vom Projektteam in Abstimmung mit dem Gemeinderat die Betriebsform festgelegt werden.

Die nächste Zusammenkunft des Projektteams wird am Freitag, dem 4. Mai stattfinden. Die Mitglieder des Projektteams sind über Ort und Zeit per e-mail gesondert informiert worden.

V.i.S.d.P. Michael Haberkamp, Schriftwart

 

 

2018-04-30T09:17:02+01:00 April 30th, 2018|