Informationen zum Projekt Dorfzentrum (6)

//Informationen zum Projekt Dorfzentrum (6)

Informationen zum Projekt Dorfzentrum (6)

Für Samstag, den 27. Januar 2018 hatte Bürgermeister Jürgen Schneiders alle Interessierten zu einer Besichtigungsfahrt nach Greimersburg und Illerich eingeladen. Dort sollten die vorhandenen Dorfläden besichtigt werden, um Anregungen dafür zu erhalten, was wir in Mastershausen verwirklichen wollen. Es war eine 13 Teilnehmer umfassende Gruppe, darunter 7 Gemeinderäte, die in die Eifelorte fuhr und sich in den beiden Läden umsah.

Dorladen in Greimersburg "Oose Lade"

In Greimersburg ist „Oose Lade“ in den Räumen der ehemaligen Raiffeisenkasse untergebracht (siehe Foto). Dort empfing uns der Bürgermeister Junghans bei Kaffee und Gebäck. Der Bürgermeister ist dort zugleich Vorsitzender des „Ladenvereins“, eines „Wirtschaftlichen Vereins“, in dem immerhin 95 von 280 Haushalten Mitglieder sind (einmalige Einlage von 25,00 Euro). Im Laden werden frische Backwaren angeboten (2 Öfen im Laden), frische Fleisch- und Wurstwaren (vom Metzger in Landkern), frisches Obst und Gemüse (aus der Region), außerdem ein erstaunlich umfangreiches Sortiment an Dingen des täglichen Bedarfs. Außer 5 Frauen, die auf 450,00 Euro-Basis arbeiten, sind auch noch 17 ehrenamtliche Helfer tätig, davon auch 7 im Verkauf. Der Bürgermeister ließ keinen Zweifel daran, dass die Gemeinde erhebliches Interesse daran habe, den Laden am Leben zu erhalten. Das ganze Dorf werde ja durch den Laden aufgewertet. So hat die Gemeinde für Kredite gebürgt, die der Ladenverein aufnahm, und nimmt auch keine Pacht für die gemeindeeigenen Räumlichkeiten, solange der Verein noch Schulden hat. Erfreulich sei es, dass der Laden immer höhere Einnahmen generiere. Eine Erweiterung des Ladens in Verbindung mit der Schaffung eines Cafés und eines ebenerdigen, barrierefreien Saales ist vorgesehen, wenn die bisher von der Feuerwehr belegten Flächen frei werden.

In Illerich ist Bürgermeister Braunschädel Vorsitzender des Wirtschaftlichen Vereins, der den Dorfladen betreibt (130 Mitglieder). Auch in Illerich war das Gebäude, in dem sich heute der Dorfladen befindet, vorher von einer Raiffeisenbank genutzt. Auch in Illerich ist das Angebot durch die vorgegebene Raumgröße (85 qm Verkaufsfläche) sehr begrenzt. Auch in Illerich verlangt die Gemeinde keine Pacht für den Laden im gemeindeeigenen Gebäude. Beschäftigt sind gegenwärtig 5 Mitarbeiter mit 450,00 Euro-Jobs, es gibt aber zusätzlich 8 bis 10 ehrenamtliche Mitarbeiter, sonntags muss der Bürgermeister manchmal selbst die Brötchen verkaufen. Die Bäckerei Lohner beliefert den Laden mit Teiglingen wie eine Filiale. Der Laden wird mit Strom aus der gemeindeeigenen Fotovoltaik-Anlage versorgt. Die Stromkosten belaufen sich trotzdem auf 8000,00 Euro/Jahr. Ohne die vorhandenen Einnahmen aus den Windkraftanlagen ließe sich – so der Bürgermeister – der Laden nicht halten (Subventionierung durch die Gemeinde). Eine nachträglich bauliche Erweiterung für einen Lagerraum und Kundentoiletten, sowie die Gestaltung des Hofes für einen Café-Außenbetrieb ist vorgesehen.

Dorfladen in Illerich

 

Vorbildlich schienen uns folgende Punkte zu sein:

+ Tägliche Ladenöffnung in Greimersburg schon um 6.30 Uhr. Damit steht der

Laden offen für Kunden, die früh zur Arbeit fahren.

+ Aktuelle Angebote sind bei beiden Läden auch im Internet zu finden.

+ Die Vereine beider Orte kaufen im Laden ein, z.B. bei Festen. In Greimersburg

liefert der Laden auch bei Familienfeiern Esswaren und Getränke.

+ In Greimersburg gibt es einen Raum (mit WLAN-Anschluss), in dem der

Bürgermeister regelmäßig seine Bürgersprechstunde abhält im Ladengebäude

(freitags 18 – 20 Uhr).

+ In Greimersburg sind Toiletten auch für Kunden vorhanden.

Problematisch schienen uns dagegen folgende Punkte zu sein:

  • Da die Räume des Ladens in beiden Orten vorher anders genutzt wurden, begrenzte die Raumgröße und -anordnung offensichtlich das Angebot.
    • Die Raumverhältnisse für den Cafébetrieb waren sehr beengt.
    • Beengter oder fehlender Raum für Paketannahme, bzw. Paketaufbewahrung.
    • Auch das Sortiment z.B. an Getränken ist mangels Platz begrenzt (nur Einzelflaschenverkauf).
  • Hohe Stromkosten, jeweils gut 8000,- Euro/Jahr (Ursachen: fehlende Kühlräume, hohe Abwärme von Backöfen und Kühltruhen, fehlende bzw. nicht ausreichende eigene Fotovoltaik-Anlage etc.)
  • Die Abhängigkeit von einer Bäckereikette kann u.U. eigene Entscheidungen blockieren und Innovationen verhindern.

Insgesamt ließe sich als Resumée festhalten, dass die scheinbar günstige Übernahme von bestehenden Räumlichkeiten zu Schwierigkeiten führt, die den Erfolg eines solchen Projektes auf Dauer gefährden können, weil

  • die fehlende Planung und Ausstattung des Laden-Gebäudes mit einer effizienten Energieversorgung zu Folgekosten führt, an denen das ganze Projekt scheitern kann;
  • die Übernahme eines bestehenden Gebäudes den Nachteil hat, dass ein behindertengerechter Zugang nachträglich nur schwer herzustellen ist;
  • ein von vornherein zu klein angelegtes Projekt es unmöglich macht, den Lebensmittelladen durch flankierende und den Laden stärkende Angebote zu ergänzen, (z.B. Café mit attraktivem Außenbereich, Tourist-Info, Gemeindebüro, öffentl. Toiletten, Getränkemarkt, Bankfiliale oder Bankautomat, Postfiliale oder Paketdienst, Reinigungsannahme, Toto- und Lottoannahme, Elektrotankstelle, usw.).

Als ermutigend ist im Rückblick festzuhalten, dass in beiden Dörfern, obwohl sie kleiner sind als Mastershausen (Greimersburg ca. 750 Einwohner, Illerich ca. 770 Einwohner), und obwohl in geringerer Entfernung Großmärkte vorhanden sind, die Dorfläden schon eine ganze Zeit lang erfolgreich betrieben werden.

Lehrreich mag sein, dass eine gründliche Planung in der Zusammenarbeit von Profis und Laien sich langfristig nicht nur finanziell auszahlt, sondern Voraussetzung für das Gelingen eines so facettenreichen Projektes ist, wie es ein multifunktionales Dorfzentrum darstellt.

Die Gemeinde Mastershausen dankt den Gemeinden Greimersburg und Illerich und ihren Bürgermeistern für den Einblick, den sie uns in ihre Laden-Projekte gewährt haben. Wir freuen uns nach Fertigstellung unseres Dorfzentrums auf einen Gegenbesuch.

Der Schriftführer der Arbeitsgruppe Dorfzentrum
Michael Haberkamp

2018-01-30T08:14:43+00:00 Januar 30th, 2018|