Informationen zum Projekt Dorfzentrum 7

//Informationen zum Projekt Dorfzentrum 7

Informationen zum Projekt Dorfzentrum 7

Am Samstag, dem 10. März hat eine Delegation von 12 Masdaschern, darunter 5 Gemeinderäte, eine Exkursion zu zwei weiteren Dorfläden unternommen, diesmal nach Mandern (in der Nähe von Hermeskeil) und nach Klausen (in der Nähe von Wittlich bzw. Bernkastel).

Mandern hat 867 Einwohner mit 400 Haushalten. Die nächste Einkaufsmöglichkeit liegt 4 Kilometer entfernt, größere Supermärkte in 15 bzw. 25 Kilometer Entfernung.

Dorfladen in Mandern

 

Der Laden in Mandern erwies sich als wohlorganisiert und wohlsortiert. Es wird Fleisch von einem Metzger aus der Region angeboten (verschweißte Ware), Backwaren von einer Bäckerei aus dem Nachbarort, Mehl aus einer nahegelegenen Mühle, Käse aus einer örtlichen Käserei und Kaffee von einer Kaffeerösterei im Saarland. Der Hauptlieferant ist die Firma Cahmes. Die Verkaufsfläche ist nur 40 Quadratmeter groß. Aber es gibt ein großes angegliedertes Café/Bistro mit geschmackvoller Einrichtung (10 Tische und Theke mit Stühlen) sowie einer Terrasse mit Außenbewirtschaftung (im Sommer); Zubereitung und Lieferung von Essen an Kindergarten und Grundschule, demnächst auch Mittagessen für Senioren. Es gibt eine Poststelle mit Paketannahme, einen kleinen Getränkemarkt, einen Bankautomaten. Vorhanden sind Damen- und Herrentoilette, Personaltoilette, Kühlraum sowie Getränkelager.

Bürgermeister von Mandern, Tim Kohley

 

Wie der Bürgermeister von Mandern, Tim Kohley darstellte, sollte der Laden, eine ehemalige Bäckerei, zunächst privatwirtschaftlich betrieben werden. Eine Machbarkeitsstudie von M. Punkt RLP (Herr Bulita) ergab aber, dass der Betrieb durch einen privaten Betreiber nicht wirtschaftlich geführt werden kann. Um vor allem die Personalkosten abzudecken, müsse der Laden mindestens 350.000 Euro Umsatz generieren. Es wurde dann eine Genossenschaft gegründet, wobei Anteile in Höhe von 100,00 Euro ausgegeben wurden, von denen jeder Haushalt in Mandern (freiwillig) einen Anteil erworben hat. Die Gesamtkosten für den Bau und die Einrichtung des Ladens, die die Gemeinde übernahm, beliefen sich auf 800.000,00 Euro, davon gingen ca. 150.000,00 Euro an Fördermitteln ab. Die Immobilie wird von der Gemeinde mietfrei zur Verfügung gestellt. Die Personalkosten liegen bei 78.000.00 Euro/Monat. Der Jahresumsatz beträgt ca. 430.000,00 Euro. Der Laden wird von 6 Angestellten und 25 Ehrenamtlichen betrieben. Der Laden lebt nicht nur vom Lebensmittelverkauf, sondern hat sechs Geschäftsfelder, von denen, so der Bürgermeister, jedes unverzichtbar sei.

  • Lebensmittelverkauf (darunter viele regionale Produkte);
  • Bürgercafé mit Sonnenterrasse;
  • Getränkeabholmarkt;
  • Belieferung der Vereine bei Veranstaltungen;
  • Eigene Veranstaltungen (Oktoberfest u.a.)
  • Mittagessen für Kindergarten und Grundschule;

Der Bürgermeister zog nach zwei Jahren Betrieb des Ladens eine positive Bilanz:

  • Der Laden biete nicht nur für ältere Mitbürger sondern für alle Einwohner des Dorfes die Gelegenheit, sich mit allen notwendigen Lebensmitteln zu versorgen, ohne weite Fahrten zu den großen Supermärkten unternehmen zu müssen.
  • Der Laden sei als erhebliche Verbesserung der Infrastruktur und Steigerung der Lebensqualität im Dorf anzusehen (aber: kein lohnendes Investmentgeschäft).
  • Café und Laden erfüllten auch die Funktion als Treffpunkt der Bewohner des Dorfes. Das Café werde gut genutzt und die Außenterrasse hätte sogar noch größer sein können.
  • Der Laden erhöhe die Zufriedenheit aller Bürger im Dorf und steigere das Gemeinschaftsgefühl erheblich und nachhaltig.

Was die Teilnehmer der Besichtigung gelernt haben:

  • Ohne die Beteiligung der Bürger ist ein solcher Laden weder aufzubauen noch zu betreiben (Arbeitsgruppen, Genossenschaftsanteile, ehrenamtliche Mitarbeit).
  • Ohne dass die Gemeinde die Immobilie kostenlos zur Verfügung stellt, ist der Laden nicht lebensfähig.
  • Ohne die Unterstützung durch professionelle Berater ist der Aufbau und der Betrieb des Ladens zum Untergang verurteilt (Businessplan, hauptamtliche Mitarbeiter, Buchführung, Steuerberater).
  • Die Betriebsform als Genossenschaft zwingt schon in der Gründungsphase zu einer gründlichen Planung, die zuverlässige Prognosen ermöglicht.
  • Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter ist der Laden nicht zu betreiben (Mitarbeit im Café, Hausmeisterdienste, Lieferservice, Dekoration, Veranstaltungen).
  • Ohne eine hochwertige Ausstattung läuft weder der Laden noch das Café. Hier darf nicht gespart werden.
  • Ohne die Selbstverpflichtung der Vereine, alle benötigten Waren im Dorfladen zu kaufen, kann der Laden nicht existieren (Vertrag!).

Klausen in der Eifel gehört zur Verbandsgemeinde Wittlich-Land, hat ca. 1.400 Einwohner und ist mit seiner spätgotischen Marienkirche seit dem Mittelalter Wallfahrtsort, der am Kreuzungspunkt von zwei Pilgerwanderwegen liegt. Der Dorfladen befindet sich in einem alten Gebäude in der Ortsmitte, der sog. Eberhardsklause, das auch mehrere Säle für Feiern und Tagungen enthält sowie eine Herberge mit 35 Betten. Auch hier bemühte sich die Ortsgemeinde zunächst, einen neuen privaten Betreiber für einen Lebensmittelladen zu finden, auch hier vergeblich. Seit 2005 wird der Dorfladen als wirtschaftlicher Verein betrieben. Einmalige Einlage von 100,00 Euro durch 50 Vereinsmitglieder. Startkredit durch die Gemeinde.

Eberhardsklause

Man bekommt dort alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Großen Wert legt man auf regionale Produkte. So wird der Laden von einem Metzger aus dem Nachbardorf beliefert (nur eingeschweißte Ware) und auch die Backwaren stammen aus einer Bäckerei in der Nähe (zusätzlich Brötchen vorgebacken). Obst und Gemüse werden vor allem von der Firma Cahmes geliefert, stammen zum Teil aber auch von einem Demeterhof aus der Region. Auch Wein von der Mosel wird im Laden verkauft. Honig gibt es direkt vom Imker, und Gemüse und Salat bietet man nach der Saison an. Auch Feinkost wird angeboten (Produkte aus der Region). Nach der Schließung der Postfiliale kann man hier nun auch wieder Briefmarken kaufen. Hermes-Paketdienst. Eintrittskarenverkauf für Veranstaltungen. Touristinfo. Vier kleine Tische im Laden werden als Café – mit einer großen Kuchentheke – betrieben. Im Haus befindet sich auch noch das Bürgerbüro, das Büro des Ortsbürgermeisters, ein kleiner Sitzungs- und Besprechungsraum, das Gemeindearchiv sowie eine Saal für Gemeinderatssitzungen und Ausschusssitzungen, außerdem Seminarräume für Wallfahrer, ein Lesezimmer, ein Frühstückraum und einfache Pilgerzimmer.

Dorfladen in Klausen

 

 

Wie der Bürgermeister von Klausen, Alois Meyer, erklärt, das Projekt habe 2,4 Millionen Euro gekostet. Davon seien 1,5 Millionen von der Gemeinde aufgebracht worden. Die Personalkosten lägen bei 70.000,00 Euro: Frau des Bürgermeisters als Geschäftsführerin (als Minijobberin), 2 Teilzeitkräfte, 2 Reinigungskräfte, 1 Bürokraft dreimal vormittags; viele Minijobber (bis zu 15 Schüler oder Studenten), außerdem Ehrenamtliche. Bezahlung: Mindestlohn. Umsatz: 400.000,00 Euro/Jahr. Stromkosten: 10.000 – 11.000 Euro/Jahr. Gewinn: eine schwarze Null.

Der Bürgermeister gab den Besuchern auf Grund seiner Erfahrungen mit auf den Weg:

  • Die Suchen nach einem Investor für ein solches Projekt ist sinnlos.
  • Wenn man Investitionen scheut, dann reiht man sich in die Reihe der Dörfer ein, in denen es bergab geht“. Das Dorf müsse wachsen, sonst gehe es bergab.
  • Es sei entscheidend, dass die Bewohner des Dorfes hinter dem Projekt stehen. Wenn sie sich nach wie vor nur als Schnäppchenjäger verhielten, dann könne der Laden nicht bestehen.
  • Die Annahme des Angebotes hängt stark von einem engagierten und kompetenten Personal ab, an das hohe Ansprüche zu stellen sind.
  • Der Laden muss als Treffpunkt geeignet sein. Er ist ein gutes Mittel, die Leute im Dorf zusammenzubringen. Das Café (mit Außenbetrieb) hat eine große Bedeutung.
  • Der Laden muss professionell geführt werden (Steuerberater usw.). Gemeinderäte dürfen nicht in den Geschäftsbetrieb hineinregieren. Der verantwortliche Leiter des Ladens trifft und vertritt die notwendigen Entscheidungen.
  • Ein Bürgerbus zu den großen Supermärkten in der Stadt nimmt den Dorfläden die Lebensgrundlage. Gerade umgekehrt muss für die kleineren Dörfer ein Bus angeboten werden, um im Dorfladen einkaufen zu können.

Beide Bürgermeister haben den Besuchern viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Vielen Dank dafür! Der Besuch der Läden war für alle sehr lehrreich. Vielleicht können wir die Bürgermeister bei der Einweihung unseres Dorfzentrums in Masdasch als Gäste begrüßen.

Teilnehmer der Delegation

 

V.i.s.d.P.: Michael Haberkamp (Schriftführer Arbeitsgruppe Dorfzentrum)

2018-03-11T21:23:00+00:00 März 11th, 2018|