Masdascher Flüchtlingshilfe 4

//Masdascher Flüchtlingshilfe 4

Masdascher Flüchtlingshilfe 4

Was hat sich verändert seit dem Mai dieses Jahres, seit der letzten Information über die Flüchtlinge, die unter uns leben? Nach wie vor lebt der Rida bei uns, der Ägypter, den inzwischen nun schon viele Leute im Dorf kennen. Er unterstützt im Rahmen eines 1- Euro-Jobs die Gemeindearbeiter in Mastershausen. Neu sind uns vier Serben zugewiesen: Miljan und Danijel, sowie ein serbisches Ehepaar, Albi und Ivana, und dann außerdem noch ein Albaner namens Mateus. Damit sind alle Parterreplätze des Hauses belegt. Die Serben und der Albaner halten sich allerdings oft bei Verwandten auf, die in der Nähe leben, so dass sie im Dorf wenig sichtbar sind. Im 1. Stock residieren inzwischen nur noch vier Frauen: die Eritreerin Melat und die Somalierinnen Deeqa, Yaasmin und Farah. Zwei Plätze sind im Obergeschoss also noch frei. Das hängt damit zusammen, dass Nimo und ihr Ehemann Mustafa, die ja von Anfang April bis Mitte Mai hier gelebt haben, das Haus kürzlich verlassen mussten.
Wir hatten schon darüber berichtet, dass Nimo und Mustafa getrennt werden sollten, und das, obwohl sie ein Kind von ihm erwartet. Leider ist unsere Befürchtung wahr geworden. Nimo ist nach Kaufbeuren in Bayern verlegt worden und Mustafa lebt heute in Kirchberg. Beide sind Opfer einer fehlenden rechtlichen Regelung für muslimische Ehepaare, die zu uns kommen. Beide haben „nur“ nach islamischem Ritus geheiratet.
Aber diese Eheschließung wird von deutschen Behörden genau so wenig anerkannt wie bei uns die kirchliche Trauung ohne standesamtliche Eheschließung. So gelten die beiden für die Behörden als „ledig“ und werden entsprechend behandelt, das heißt in diesem Fall: getrennt. Wir hatten den Landrat angeschrieben, die Ministerin Alt, das Bundesamt in Trier und die Ausländerbehörde in Kaufbeuren – es nutzte alles nichts. Jetzt hat Mustafa einen Umverteilungsantrag gestellt, um auch nach Kaufbeuren kommen zu können. Wir hoffen, dass der bald genehmigt wird. Aber wir verlieren die beiden ungern, beide sind besonders liebenswerte Menschen. Außerdem verliert der Sportverein mit Mustafa einen guten Fußballspieler.
Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. In Zusammenarbeit von Kreisverwaltung, Lyons Club und Caritas hat die VHS Sprachkurse für Asylsuchende angeboten, die noch nicht anerkannt sind. Das ist eine große Chance für unsere Schützlinge, die ja erst nach ihrer Anerkennung Anrecht auf den sog. Integrationskurs haben. Doch diese Anerkennung als „Flüchtlinge“ kann sich Monate, ja Jahre hinziehen. Jetzt haben sowohl der Rida als auch alle Frauen schon eine ganze Zeit lang diese Kurse besucht. Und wer die Frauen trifft, wird erstaunt feststellen, dass sie jetzt schon ganz gut Deutsch verstehen, ein bisschen auch schon sprechen. Dazu hat aber auch unser Lehrer Josef Peil beigetragen, der zweimal in der Woche Sprachunterricht erteilt. Leider sind die Kurse der VHS, die im Haus Bretz in Kastellaun stattfinden und die jetzt gerade wegen der Ferien unterbrochen sind, auf drei Wochentage verteilt, so dass wir an drei Tagen der Woche Fahrer finden mussten, die die Teilnehmer nach Kastellaun brachten und dort wieder abholten. Das war nicht immer einfach.
Damit ist ein Problem angesprochen, das uns viel Kopfzerbrechen macht: das Transportproblem. Wir haben bisher durchgehend mit privaten Fahrzeugen und ehrenamtlichen Fahrern alle die Termine bedient, die die Flüchtlinge hatten und haben: Die verschiedenen Sprachkurse, Fahrten zur Tafel, Fahrten zum Facharzt nach Kastellaun, Fahrten zur Kreisverwaltung nachSimmern, Fahrten zum Zug nach Trier und so weiter. Das war und ist eine schwierige Planungsaufgabe, vor allem aber auch eine andauernde Belastung der ehrenamtlichen Fahrer, von denen wir nach wie vor viel zu wenige haben. Wir versuchten und versuchen, eine Lösung zu finden, um die Belastung der freiwilligen Fahrer zu reduzieren. Am einfachsten wäre es, wenn die Flüchtlinge die öffentlichen Busse benutzen könnten. Bei einem Einzelfahrscheinpreis von 3,65 für eine einfache Fahrt nach Kastellaun ist daran jedoch nicht zu denken. Wir hoffen, dass es zumindest für die Fahrten zu den Sprachkursen zu einer Regelung kommen wird, wie es sie bei den Integrationskursen gibt, bei denen diese Fahrten bezahlt werden. Dann wäre uns hier sehr geholfen.

 

Masdascher Flüchtlingshilfe informiert

Foto: Benefizfußballspiel in Kümbdchen, bei dem auch „unser“
Muastafa mit dabei war, am 19. Juli 2015
(v.l.n.r.: Nimo, Farah, Elke, Yaasmin und Melat)

 

Aber solange wir keine neue Regelung haben, brauchen wir nach wie vor ehrenamtliche Fahrer. Wenn Sie morgens zwischen 7.30 und 8.00 Uhr nach Kastellaun fahren sollten, dann nehmen Sie doch einige Flüchtlinge mit. Das würde uns sehr entlasten. Aber Sie könne, wenn Sie noch etwas Kraft und Zeit haben, um den Flüchtlingen zu helfen, auch ganz andere Aufgaben übernehmen. Wir wäre es, wenn Sie gerade jetzt in den Ferien mit den Flüchtlingen mal eine Wanderung unternehmen würden? Oder wenn Sie mit ihnen mal einen Ausflug machen würden und ihnen etwas zeigen würden von dem Land, in dem sie jetzt leben? Oder wenn Sie mit den Flüchtlingen Musik machen würden? Oder Handarbeiten, zum Beispiel Stricken? Oder wenn Sie ihnen das Fahrradfahren beibringen würden? Oder sie mal zum Mittagessen einladen würden? Oder mit ihnen zusammen etwas kochen würden? Oder ihnen behilflich sein würden bei technischen Problemen im Haus? Aber es gibt auch noch viele andere Möglichkeiten, den Flüchtlingen in ihrer schwierigen Lage beizustehen. Sprechen Sie mit uns!
Bericht: Michael Haberkamp 28. Juli 2015

2017-06-13T08:36:55+01:00 Juli 29th, 2015|