Masdascher Flüchtlingshilfe informiert (10) Mai 2017

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Masdascher Flüchtlingshilfe informiert (10) Mai 2017

 

Yasmin und Marlene

Ein guter Anlass, eine neue Information herauszugeben, ist der Wechsel in der Belegung der Alten Mädchenschule. Im November 2015 waren ja die eritreischen Männer Abdo, Yared, Shishay und Habtom zu uns gekommen, im Frühjahr 2016 war dann die Ayan mit ihrem Kind eingezogen. Wenig später war die Farah, die fast zwei Jahre bei uns lebte, zu ihrem Mann nach Bad Kreuznach umgezogen, die Deeqa war zu ihrem Mann nach Kirchberg gegangen und die Melat hatte eine Wohnung in Kastellaun gefunden. Nur die Yasmin wohnte noch länger hier, zog aber auch jetzt im Frühjahr 2017 nach Neuerkirch um (Foto: Abschied von der Nachbarin).

Und im März wechselte die Ayan nach einem Jahr, das sie hier gelebt hatte, nach Hasselbach. Vor wenigen Tagen ist nun die Melat nach Masterhausen zurückgekehrt und hat hier gleich neben der Alten Mädchenschule, eine Wohnung bezogen, zusammen mit dem Yared. Und im Juni erwartet die Melat ein Kind, einen Jungen.

Und ebenfalls vor wenigen Tagen sind drei neue Männer in der Alten Mädchenschule eingezogen: Rafi aus Afghanistan, 26 Jahre alt, Rashid aus Pakistan, 34 Jahre alt und Awais aus Pakistan, 20 Jahre alt. Über sie alle wissen wir noch sehr wenig, wir müssen uns erst kennen lernen. Aber wenn Sie dem einen oder anderen von ihnen im Dorf begegnen, dann wissen sie, dass sie hier zu uns gehören.

Rafi

Rafi

Rashid

Rashid

Awais

Awais

An der Situation der Bewohner der Alten Mädchenschule hat sich insofern etwas geändert, als fast alle der eritreischen Männer inzwischen anerkannt sind, d.h. eine Aufenthaltserlaubnis von drei Jahren haben. Leider hat der Shishay vom BAMF nur den sog. „subsidiären Schutz“ bescheinigt bekommen, was die Befristung des Aufenthaltes auf 1 Jahr bedeutet. Dagegen haben wir Klage beim Verwaltungsgericht in Trier eingereicht (wir berichteten schon darüber). Und der Abdo wartet noch immer auf den Bescheid des Bundesamtes, besucht aber trotzdem schon den Integrationskurs in Kastellaun. Eigentlich müssten alle anerkannten Asylbewerber die Flüchtlingsunterkunft verlassen. Aber da es keine Wohnungen für sie auf dem freien Markt gibt, und da zur Zeit nicht mehr so viele Flüchtlinge nach Deutschland und somit in die Verbandsgemeinde kommen, erlaubt ihnen die Kreisverwaltung, hier wohnen zu bleiben, wobei die Betroffenen jetzt sogar in den Genuss von Einzelzimmern kommen. Die Kosten für sie übernimmt nun das Jobcenter (SGB II). Foto: Abdo Salih, Shishay Beyene, Habtom Fsha.

Abdo Salih

Abdo Salih

Shishay Beyene

Shishay Beyene

Habtom Fsha

Habtom Fsha

An der Situation der Betreuer hat sich dagegen wenig verändert. Nach wie vor sind es nur wenige Helfer, die regelmäßig die anstehenden Aufgaben übernehmen. Und diese Helfer sind nun schon fast drei Jahre mit dabei. Dabei ist der Beistand für die Flüchtlinge unverzichtbar. Sie können alleine die Probleme, die sich für sie Tag für Tag ergeben, nicht bewältigen. Insbesondere können sie die Anforderungen, die an sie durch die Ämter gestellt werden, nicht alleine meistern. Das Ausländeramt lädt sie regelmäßig ein, um ihre Aufenthaltserlaubnis zu verlängern. Das Jobcenter gibt ihnen regelmäßig Termine, um mit ihnen über ihre berufliche Entwicklung zu sprechen. Das Bundesamt sendet ihnen Formulare, die sie ausfüllen sollen. Es kommen Briefe von der Bank, der Krankenkasse, der Volkshochschule – aber die Asylbewerbr verstehen nur „Bahnhof“. Da kommen sie nicht ohne Hilfe aus. Oder bei der Wohnungssuche. Es ist undenkbar, dass sie auf eine Anzeige in der Zeitung hin sich beim Vermieter telefonisch melden und einen Besichtigungstermin vereinbaren. Oder beim Arzt: Sie verstehen oft nicht, was der Arzt ihnen sagt, oder sie verstehen es falsch. Da muss jemand mitgehen. Oder bei der Suche nach einem Praktikum: Sie können weder alleine die Praktikumsstelle finden, noch alleine ein Bewerbungsgespräch führen, noch einen Praktikums-Vertrag verstehen. Da brauchen sie jemanden, der/die mit ihnen geht. Zur TAFEL müssen sie gebracht oder von dort abgeholt werden. Am Wochenende, an dem ja hier keine Busse fahren, ist es gut, wenn jemand mit ihnen am Samstag nach Kastellaun zum Einkaufen fährt. Bei Umzügen (wir hatten davon gerade zwei hintereinander) brauchen wir viele Hände, die helfen. Als „Nachhilfe“ für die Sprachkurse brauchen die Flüchtlinge jemanden, der ihnen mit Geduld bei den Hausaufgaben hilft. Zum Glück sind in der letzten Zeit zumindest zwei neue Helfer hinzugekommen. Aber wir könnten für viele Aufgaben noch weitere Menschen brauchen, die ihre Talente hier einbringen.

Hilfe benötigen die Flüchtlinge ebenso wie die Ehrenamtlichen aber nicht nur von orstansässigen Helfern, sondern vor allem auch von den politischen Institutionen und deren verantwortlichen Leitern. Wir haben uns in der Vergangenheit mit verschiedenen Anliegen an den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kastellaun, aber auch an den Landrat des Kreises in Simmern und an die Ministerin in Mainz gewandt. Meist ist es dann so, dass eine politische Ebene die Probleme der anderen Ebene zuschiebt. Man sei nicht zuständig, leider. Nur die Ortsgemeinde und die Verbandsgemeinde Kastellaun sind uns bisher in einigen Fragen entgegengekommen. Auf Kreisebene werden dagegen Ausschüsse gegründet wie zum Beispiel der “Arbeitskreis Flüchtlinge“, in dem die anstehenden Probleme seit Jahr und Tag benannt werden. Es gibt dort auch die sog „Steuerungsgruppe“, in der außer einem Vertreter der ehrenamtlichen Helfer des gesamten Rhein-Hunsrück-Kreises (Elke Haberkamp) auch Veranwortliche aus mehreren Ressors der Kreisverwaltung sitzen. Aber es drängt sich der Verdacht auf, dass diese Gremien nur ein Feigenblatt dafür sind, sich in der Flüchtlingsfrage nicht über die Pflichtaufgaben hinaus engagieren zu müssen. Aber gerade das wäre not-wendig. Von den vielen Vorschlägen, die aus den Kreisen der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer inzwischen gemacht wurden, ist fast keiner konstruktiv aufgegriffen und in konkrete Maßnahmen umgesetzt worden. Offenbar soll der der Öffentlichkeit vorgegaukelt werden, der Kreis würde sich der Anliegen der Flüchtlinge annehmen und die Ehrenamtlichen in die Entscheidungsfindung der Kreisverwaltung einbeziehen. Die Frage ist, ob der Arbeitskreis Flüchtlinge nicht nur eine Einrichtung zur Verhinderung von Verbesserungen zulasten der Asylsuchenden und Flüchtlinge ist.

Bei einem Gespräch mit dem Landrat, zu dem er auf einen Brief hin, den wir ihm geschickt hatten, zwei Vertreter der „Masdascher Flüchtlingshilfe“ eingeladen hatte, haben wir ihm vorgehalten, dass er bei einer großen Palette von anstehenden Problemen in Zusammenhang mit Asylbewerbern und Flüchtlingen bisher nichts dazu beigetragen habe, diese zu lösen:

  • Verbesserung der Mobilität von Asylbewerbern usw. durch ein Sozialticket;
  • Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge (und andere Benachteiligte);
  • Einstellung von Sozialarbeitern zur Entlastung der ehrenamtlichen Helfer;
  • Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge im Rhein-Hunsrück-Kreis;
  • Zugang zum Internet für Asylbewerber in allen Flüchtlingsunterkünften im Kreisgebiet;
  • Vorlage eines Integrationskonzeptes für Flüchtlinge und andere Benachteiligte;
  • Schaffung der Stelle eines kommunalen Bildungskoordinators, u.a.m.

Es gibt noch mehr Probleme und auch noch mehr Lösungsvorschläge. Aber bei allen diesen Lösungsvorschlägen steht der Kreis auf der Bremse, entwickelt vor allem überhaupt keine Eigeninitiative. Das verbittert uns und viele Ehrenamtliche im Kreis. Wenn die Ehrenamtlichen aber erst einmal ihre Arbeit eingestellt haben, werden wir vor einer chaotischen Situation stehen. Da wird überhaupt nichts mehr funktionieren. Ein Beispiel dafür sind die drei Asylsuchenden, die gerade zu uns gekommen sind. Sie haben bisher in Frankweiler gelebt. Aber dort haben die Helfer sich überfordert gefühlt und den Bettel hingeschmissen. Nun kommen diese Leute zu uns nach Mastershausen, weil es hier noch Helfer gibt. Aber wie lange noch?

Immerhin gibt es für uns Helfer trotz der vielen Arbeit oft auch Anlass zur Freude. So freuen wir uns mit der Yasmin, dass sie eine eigene Wohnung in Neuerkirch gefunden hat.

Yasmin

Yasmin

So freuen wir uns mit der Melat und dem Yared, die eine gemeinsame Wohnung in Mastershausen gefunden haben.

Melat und Yared

Melat und Yared

So freuen wir uns mit dem Abdo und dem Anas, dass sie ein Praktikum im Seniorencentrum in Kastellaun absolvieren konnten. Sie wollen ja beide eine Ausbildung zum Altenpfleger machen.

Abdo und Anas

Abdo und Anas

So freuen wir uns mit Farah und Yahya, die in Bad Kreuznach den 1. Geburtstag ihre Sohnes Jaqub begangen haben.

Farah und Yahya

Farah und Yahya

Und wir freuen uns, wenn wir Helfer uns treffen und miteinander lachen können trotz des Wissens um all die schweren Schicksale unserer Flüchtlinge. Da sind so verschiedene Leute beieinander, die sich sonst nie begegnet wären. Schon das ist ein Gewinn für alle Helfer.

V.i.S.d.P. Michael Haberkamp

2017-06-15T12:35:21+01:00 Mai 20th, 2017|