In der Sitzung des Gemeinderates vom 19. Dezember 2018 wurden von dem Planungsbüro Stadt-Land-plus mögliche Varianten für den Bau eines Dorfzentrums vorgestellt (siehe „Informationen“ Nr. 12). Im Verlauf der Diskussion über diese Varianten wurde im Rat auch schon über einen Vorschlag der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) diskutiert, statt des möglichen Neubaus eines Saales den bisherigen Sitzungsraum in der Bürgerhalle durch Einbeziehung der jetzigen Küche so auszuweiten, dass darin Platz für ca. 100 Personen vorhanden wäre. Außerdem war von der ADD vorgeschlagen worden, die Bücherei von der Bürgerhalle weg in das künftige Dorfzentrum hinein zu verlegen. „So entstünde dort durch die Kombination mit einem Café ein Treffpunkt mit großer Anziehungskraft, und gleichzeitig würde im bestehenden Bürgerhaus Raumpotential frei werden“ (ADD). Die ADD hatte außerdem vorgeschlagen, für eine gesamtheitliche Betrachtung aller gemeindlichen Vorhaben eine kleine Machbarkeitsstudie anfertigen zu lassen. Der Rat hatte diese Anregung in der Sitzung vom 19.12.2018 aufgegriffen. Zur Vorbereitung dieser Machbarkeitsstudie sollten schnellstmöglich Belegungspläne aller Veranstaltungsräume der Gemeinde zusammengestellt werden. Außerdem solle ein Arbeitstreffen mit dem Personal der Bibliothek terminiert werden, um abzuklären, welche Möglichkeiten sich durch eine Verlagerung der Bibliothek in das Dorfzentrum ergeben könnten. Wenn diese Informationen vorlägen, könne dann eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, mit deren Hilfe dann entschieden werden könne, welche Konsequenzen sich für die Vorplanung des Dorfzentrums ergeben würden. So weit der Rückblick auf den Stand der Dinge Ende Dezember 2018.
Am 11. Februar fand dann eine Besprechung statt, an der Jürgen Schneiders (Bürgermeister), Birgit Rockenbach (Begegnungscafé), Steffi Kraus (Bücherei), Michel Scheer (Sport- und Karnevalsverein) und Elke Haberkamp (Arbeitsgruppe Dorfzentrum) teilnahmen. Dabei wurde systematisch das gesamte Raumangebot der Gemeinde und dessen Nutzung (Anlass und Häufigkeit) durchgegangen, aber auch bestehende Konflikte und Defizite benannt:
• Der „Große Saal“ (Sporthalle) in der Bürgerhalle ist durch Schulen und Vereine während der Woche sehr stark ausgelastet. Die Nachfrage ist größer als das Raumangebot. Vorwiegend an Wochenenden wird die Halle auch für nichtsportliche Veranstaltungen (Feste der Vereine, private Feiern, Veranstaltungen der Gemeinde) genutzt. Dies geht fast immer zu Lasten der Sport- und Trainingsveranstaltungen. Termine für private Feiern können oft nicht vergeben werden. Durch die dichte Terminabfolge in der Saalnutzung kommt es ständig zu Engpässen bei Auf- und Abbau sowie zu Kollisionen im Bereich der Toiletten und Umkleideräume und bei den Geräte-Lagerflächen.
• Der „Kleine Saal“ (Sitzungszimmer) in der Bürgerhalle, der für Sitzungen des Gemeinderates und als Bürgermeisterzimmer für Besprechungen genutzt wird, dient außerdem als Ausweichraum für sportliche Veranstaltungen. Auch dieser Saal wird während des ganzen Jahres für Feste (Vereine und private Feiern), den Altentag usw. ständig genutzt. Von der Raumgröße her ist der Kleine Saal aber nur für Veranstaltungen für höchstens 50 Personen geeignet. Bei gleichzeitiger Belegung des Kleinen und des Großen Saals gibt es neben akustischen Störungen auch Überschneidungen in Foyer, Toiletten und Umkleiden.
• Die Küche in der Bürgerhalle wird zwar kaum mehr als Vollküche genutzt, sie wird aber bei Veranstaltungen nach wie vor für den Catering-Service benötigt (Abstellflächen, Buffet). Auch die Bar und der Abstellraum neben dem großen Saal werden bei großen Veranstaltungen benötigt.
• Die Bücherei in der Bürgerhalle ist zurzeit nur ein Mal wöchentlich (am Mittwochabend) geöffnet. Außerdem ist sie einmal im Monat, freitags, für die Grundschule geöffnet, und einmal im Jahr findet eine Veranstaltung für den „Bibliotheksführerschein“ statt. Die Ausleihzahlen sind in den letzten Jahren rückläufig.
• Im Begegnungscafé in der „Alt Schul“ finden ca. 40 Personen an Tischen Platz. Der Raum wird zurzeit ein Mal wöchentlich für ein Kaffeetrinken genutzt, zu dem konstant 25 bis 30 Besucher kommen. Alle 14 Tage findet ein Spieleabend statt. Um Störungen für die Hausbewohner zu vermeiden, steht das Café aber externen Interessenten nicht zur Verfügung.
Aufgrund dieses Befundes kamen die Teilnehmer der Besprechung zu dem Ergebnis:
• In der Bürgerhalle sei eine Beseitigung der jetzigen Küche in jedem Fall zu vermeiden. Der Raum werde gebraucht. So käme eine Vergrößerung des Kleinen Saals (Sitzungszimmer) zu einem geringfügig größeren Saal durch Einbeziehung der jetzigen Küchenfläche eigentlich gar nicht in Frage. Im Übrigen würde der so entstehende Raum weder ästhetisch noch funktional dem Bedarf gerecht werden. Auch die Bar und der Abstellraum neben der großen Halle sollten nicht für eine Ausweitung des Kleinen Saals (Sitzungszimmer) in Anspruch genommen werden, weil sie insbesondere bei Großveranstaltungen gebraucht würden.
• Die Teilnehmer waren sich einig, dass für die Gemeinde Mastershausen Bedarf an einem mittelgroßen Saal für 120 bis 150 Personen mit einladender Atmosphäre, eingebauter Bühne und Freibereich besteht. Dieser Saal könne für folgende Aktivitäten genutzt werden: größere und kleinere private Feiern (Hochzeiten, Geburtstage usw.), Musikveranstaltungen (Chöre und Konzerte), Theater (Proben und Aufführungen), Versammlungen (Landfrauen, Altentag, Sitzungen der VG, u.a.m.), Vorträge, VHS-Kurse, kirchliche Festveranstaltungen (Pfarrfest usw.), Gymnastik (Seniorengymnastik usw.), Training der Tanzgruppen (Hebefiguren), Ausstellungen (Weihnachtsaustellung usw.), Kwetsche-Kirmes (bei schlechtem Wetter), u.s.w.
• Eine Verlagerung der Bücherei in das Dorfzentrum erschien den Teilnehmern durchaus denkbar. Durch das Freiwerden des jetzigen Büchereiraumes könnten sich insbesondere für die Nutzung des Großen Saals (Sporthalle) sehr positive Effekte ergeben: mehr Platz für die Unterbringung von Bühnenelementen, Tischen und Stühlen sowie Sportgeräten; mögliche Erweiterung und Neuordnung von Toiletten und Umkleideräumen. Wie die Bücherei sinnvoll in das Konzept des Dorfzentrums zu integrieren wäre, müsse das Büro Stadt-Land-plus prüfen.
• Das Begegnungscafé stelle in keiner Weise eine Alternative zur Behebung der Platzprobleme in der Bürgerhalle dar.
• Auch die Grillhütte sei nicht geeignet, den Mangel an einem größeren, angemessenen Saal zu beheben. Sie sei für eine ganz andere Klientel und für ganz andere Anlässe konzipiert worden und werde auch entsprechend genutzt.
Auf der Grundlage der so gewonnenen Informationen legte das Planungsbüro Stadt-Land-plus dann im Februar ein entsprechendes Angebot für eine Machbarkeitsstudie vor, bei der es um die „Überprüfung des vorhandenen Raumangebotes der Bürgerhalle und die Auslotung einer funktionalen Neuordnung“ gehen sollte. In der Machbarkeitsstudie seien die „Anpassungsmöglichkeiten des zur Johann-Steffen-Straße hin orientierten Gebäudeteils mit Sitzungssaal, Küche, Thekenbereich und Bücherei sowie ehemaliger Schießstand“ auszuloten.
Dem Gemeinderat lag dieses Angebot von Stadt-Land-Plus in seiner Sitzung am 7. März vor. Der Gemeinderat beschloss dann aber, auf eine Auftragserteilung vorläufig zu verzichten. Begründet wurde dieser Verzicht damit, dass durch die oben genannte Vorberatung und durch die Konkretisierung im Angebot von Stadt-Land-Plus schon deutlich geworden sei, dass die Idee der ADD, durch Umbauten in der Bürgerhalle einen größeren Saal zu etablieren, nicht verwirklichbar sei. Man brauche zwar einen Saal, der könne aber nur im Rahmen des Baus des neuen Dorfzentrums entstehen. Von der Verbandsgemeinde war zuvor auch schon die Frage gestellt worden, ob man jetzt wirklich noch ein weiteres Projekt, nämlich den Umbau der Bürgerhalle, in Angriff nehmen wolle. Der Gemeinderat hielt es daher für besser, die Beauftragung der Machbarkeitsstudie, die auch schon Leistungen beinhaltet, die als Vorgriff auf eine Umbauplanung der Bürgerhalle zu werten sind, erst dann vorzunehmen, wenn sich die Gemeinde konkret mit diesem Umbau-Projekt befassen wolle. Für eine eventuelle Verlagerung der Bücherei in das Dorfzentrum werde die Machbarkeitsstudie nicht benötigt. Eine Prüfung ob und wie die Bücherei im Dorfzentrum untergebracht werden könne, könne im Verlauf der weiteren Planungsschritte erfolgen.
Zugleich beschloss der Gemeinderat, die Firma DORV mit der Erstellung eines mitwachsenden Business-Plans zu beauftragen. Ein Businessplan ist sowohl zur Unternehmensgründung als auch zur strategischen und operativen Planung eines Unternehmens notwendig. Er enthält u. A. einen Finanzplan, der eine Schätzung der notwendigen finanziellen und personellen Kosten und der erwarteten Umsatzerlöse enthält, damit die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens beurteilt werden kann. In einem Businessplan sind also wesentliche Einnahmen- und Ausgabenpositionen in einer Kalkulationstabelle aufgelistet, wobei der Plan mitwachsend ist, also an den jeweiligen Projektstand anzupassen ist. Der Businessplan ist auch die Voraussetzung für die Gründung des WIRTSCHAFTLICHEN VEREINS, der ja einmal der Betreiber des Dorfzentrums sein soll.

Dorfladen in Guldental/Nahe

Dorfladen in Guldental/Nahe

So ist das Projekt Dorfzentrum zwar wieder einen Schritt vorangekommen. Aber es bleibt auch noch viel zu tun. Leider wird durch die Kommunalwahl die weitere Planung nun erst einmal unterbrochen. Der neue Gemeinderat wird das Projekt dann hoffentlich mit Energie weiter vorantreiben. Auch die Entscheidung, welcher der vorgestellten Alternativen nun der Vorzug gegeben werden soll, wird vom neuen Rat getroffen werden müssen. Die Zeit wird allerdings knapp werden, da die Fördermittel bis zum November dieses Jahres beantragt werden müssen. Vielleicht entspricht es nicht nur der Sicht der Arbeitsgruppe Dorfzentrum, dass das Projekt Dorfzentrum Priorität gegenüber anderen Vorhaben genießen sollte. Denn damit wird ja die Grundversorgung mit Lebensmitteln für alle Bürger im Dorf sichergestellt. Darüber hinaus soll das Dorfzentrum aber nicht nur ein Lebensmittelladen sein sondern zugleich ein wichtiger Kommunikationsort für alle Bewohner des Dorfes. Den sollte es geben, ehe der letzte Laden im Dorf seine Tür schließt.

Mastershausen, 12. März 2019

Michael Haberkamp, Schriftführer der Arbeitsgruppe Dorfzentrum